Werte Freunde,
es ist mal wieder soweit: Ich erzähle einen Schwank aus meinen Leben in Amerika. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute mal so richtig zu lernen und zu lesen und bunt anzustreichen und rauszuschreiben und alles mit kleinen Post-Its zu versehen. War leider nix. Stattdessen habe ich gespült, gekocht, eine Modenschau mit mir selbst gemacht und jetzt angefangen, den Blog zu schreiben. Modenschau übrigens deshalb, weil ich mir letzte Woche ein paar Klamotten bei den allseits bekannten Marken, die man ja nur in Amerika bekommt, im Internet bestellt und heute das Päckchen bekommen habe. Ich kam mir ein bisschen vor, wie ein pubertierendes Mädchen. Shirt an, zum Spiegel rennen, Bauch einziehen, denken: puh. sagen: passt - ab in den Schrank das Teil und freuen. Das Ganze hab ich sechsmal gemacht, ein Pulli ist zu groß, wird umgetauscht. Läuft.
Nun gut, was gibt es zu berichten... Das Wochenende startete am Freitag damit, dass sich der harte Kern in meiner Butze versammelte. Es war eigentlich angedacht, auf eine der sagenumwobenen Fraternity-Partys zu gehen. Wir mussten nur irgendwie Bier besorgen und dann das richtige Haus finden. Es kam allerdings alles anders, da mein Mitbewohner und einer seiner Freunde unbedingt mit dem Deutschen (das bin ich) Bier trinken wollten. Amerikaner haben von Deutschen ein ziemliches einfaches Bild. Deutsche können: Bier trinken. Deutsche können nicht: Kriege gewinnen. Mehr wissen sie nicht und mehr wollen sie auch nicht wissen. So begab es sich also, dass sich Andi und ich kurzerhand in Wyndles Van wiederfanden und wir zu einem der Liquorstores aufbrachen. Vorher noch fleißig Geld von den anwesenden International Students eingesammelt, dann die Kühlschränke geplündert, alles fein säuberlich in unauffällige schwarze Plastiktüten gepackt und Rückzug in Richtung Uni. Man muss dazu sagen, dass Alkohol auf dem Campus (also auch in unseren Apartments) streng verboten ist. Ich hoffe also, dass keiner R.A.s (die Aufpasser vom Dienst) Deutsch spricht und meinen Blog entdeckt. :)
Mein Apartment hatte sich in der Zwischenzeit ordentlich mit Leuten gefüllt. Zu unserer (bösen) Überraschung hatten sogar die Franzosen Wind bekommen von der Spontanfete und warteten nun auf Gratis-Verpflegung. Was willste machen. In den nächsten Stunden entwickelte sich ein fröhliches internationales Miteinander. Silvia, die kleine Italienerin, vermöbelte meinen Mitbewohner, den Gangsta-Rapper (ich übertreibe, dann ists lustiger), in Tekken auf der Playstation, ein Araber, dessen Name ich nicht mehr weiß, versuchte mich davon zu überzeugen, dass Leverkusen dieses Jahr Meister wird, Andi unterhielt sich mit einer Amerikanerin, die wir - warum auch immer - "rosa Elefant" tauften, haha, über Gott und die Welt, die drei Engländerinnen saßen Chips-mampfend auf der Couch (das machen die immer), Neil entdeckte die Gitarre, ich versuchte Jan Delay als deutschen Hiphop zu verkaufen, scheiterte allerdings kläglich, setzte dann alles auf eine Karte und spielte den Pur Hitmix. Gut, kam jetzt nicht sooo gut an. Gegen 6Uhr ging ich ins Bett. Zurück ließ ich Wyndle, seinen "Bruder" und eine der Franzosen. Die kriegst du aber auch nicht aus der Wohnung.
M for Memphis - was ich genau mache, kann ich auch nicht sagen:
Weiß beginnt, schwarz gewinnt, Treewee guckt dumm aus der Wäsche:
Nachdem der Samstag eher ruhig verlief, machten wir uns Sonntag auf den Weg an die Uni. Ich wiederhole noch einmal die wichtigsten Wörter des letzten Satzes: Sonntag. Uni. Aha! Wir, das sind Andi, Neil und ich, belegen den Kurs "Visual Journalism" - eine Art Photoshop-Kurs für Dummies. Dafür mussten wir ein "Projekt" fertig machen und das haben wir, engagiert wie wir sind, dann auch gemacht.
Nur am Malochen (nicht gestellt):
Montag stand der erste Höhepunkt der Woche auf dem Programm: Memphis Grizzlies vs. L.A. Lakers im FedEx-Forum. Für alle nicht Basketballer (ich gebe zu: ich habe auch keine Ahnung): Die L.A. Lakers sind das Bayern München der NBA. Jeder kennt sie, vielen mögen sie, viele mögen sie nicht, und viele behaupten einfach, dass sie sie mögen, obwohl sie keine Ahnung haben. Zu dieser Sorte gehöre ich, obwohl ich ja jetzt Grizzlies-Fan bin und Tigers-Fan und eigentlich auch Dallas-Fan wegen Dirk Nowitzki. Naja, ich wollte einfach mal Kobe Bryant sehen. Er ist wahrscheinlich der beste Spieler der Welt momentan, vielleicht der beste Spieler, den es jemals gab. Ich weiß es nicht, ist auch egal. Ich habe ihn jetzt live gesehen. Mehr wollte ich nicht.
und das ist er (hat mal eben 44 Punkte gemacht und trotzdem verloren):
und das sind wir: die Fans. Ich bin der ohne Flagge.
Gestern Abend stand Wrestling auf dem Programm. Ein seltsamer "Sport". Die Leute im Publikum rasten bei zwei Dingen komplett aus: Zum einen, wenn ihr Favorit gewinnt, was komischerweise in 95% aller Matches der Fall ist, und zum anderen, wenn eine Fernseh-Kamera auf sie gerichtet ist. Erwachsene Menschen mit seltsamen Masken und selbstgemalten Pappschilder springen auf den Sitzen umher, reißen sich die Klamotten vom Leib und grölen Dinge wie "SIIIXXX ONE NINE". Ich hab nicht verstanden wieso, aber sie tun es. Witzig, aber irgendwie...amerikanisch. Spaß gemacht hats trotzdem. 3 1/2 Stunden sinnlose Show und am Ende der Veranstaltung war der Undertaker der große Held. Das war irgendwie vorherzusehen.
Ich und The Undertaker:

Ihr seht, es geht mir weiterhin gut. Zum Glück bin ich jetzt fertig mit Lernen und kann beruhigt zum Tigers-Game gehen bzw. gefahren werden.
Alles Gute.
Mark




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