Sonntag, 23. Mai 2010

Photo Photo

So Freunde,
die erste Woche der Tour de Amerika ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Ich sitze momentan in Miami, ganz alleine. Es gibt ja tatsächlich Menschen, die gerne alleine reisen. Zu dieser merkwürdigen Spezies gehöre ich definitiv nicht. Vor zwei Tagen habe ich mich vom letzten verbliebenen Familienmitglied - Andi - verabschiedet. Seitdem ist der Papa auf sich alleine gestellt. Puh.
Aber nun von Anfang an. Eine Woche nach dem Uni-Ende ging es in der Besetzung Treevee, Kahina, Andi, Weidenfeller mit dem Greyhound-Bus von Memphis nach Chicago. "The windy city" wie sie von den Fachleuten genannt wird. Die Busfahrt überstanden wir trotz einiger Ungereimtheiten und merkwürdigen Umstände ohne große Folgeschäden, das Hotel fanden wir nach einem 20-minütigen Fußmarsch auch, einchecken konnten wir natürlich nicht direkt, aber das wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen. Nachdem sich die Damen 30 Minuten lang kurz frisch gemacht hatten, ging es los auf die große "Photo Photo"-Jagd. Es gibt ja fast Nichts, was ich mehr liebe, als Tourist zu sein. Zerfetzte Straßenkarte in der Hand, verwirrt gucken und von jedem Dreck ein Foto schießen, dann wahllos Passanten ansprechen, ob sie denn ein Foto von der ganzen Gruppe machen könnten. "Kein Problem" ist wirklich immer die Antwort und zack hat der Freiwillige nicht eine, sondern vier Kameras in der Hand - das Erinnerungsfoto braucht ja schließlich jeder. "Der große Knopf ganz oben", und das Ding ist im Kasten. So geht das für Stunden. Herrlich. Ich bin ehrlich: Wenn ich eine Bauchtasche und Sandalen hätte - ich würde sie anziehen.

dieses Foto gibt es tatsächlich in vierfacher Ausführung:


Nachdem wir am ersten Tag jeder geschätzte 300 Fotos gemacht und einen anständigen Nap (Touri sein ist anstrengend) hinter uns gebracht hatten, begannen die Vorbereitungen auf den Abend. Die Marschroute war klar und einfach: Bier und Pizza im Hotelzimmer, dann ab - wohin auch immer. Bier war kein Problem, Pizza auch nicht. Allerdings sah die Pizza nicht aus, wie normale Pizza, sondern eher wie ein Kuchen. "Chicago-Style Deep Dish"- Pizza nennt man das. Geschmeckt hats, und zwar zum Abendessen, als Nacht-Snack nach dem Heimkommen und zum Frühstück. Was ein Teil.

Gesund ist anders:


Am zweiten Tag stand - leider - Shopping auf dem Programm. Andi und ich hatten uns, in einer Bierlaune, überreden lassen. Wird schon nicht so lange dauern dachten wir. Pustekuchen. Während die shoppingbesessen Kahina und Treevee von einer Umkleidekabine zur anderen eilten, vertrieben wir uns die Zeit mit Aussehens-Noten vergeben an vorbeilaufende Chicago-"Schönheiten". Auf einer Skala von eins bis zehn. Wenn eins Hella von Sinnen und zehn Mehmet Scholl in weiblich ist... Wir vergaben auffallend viele Dreier und die Zeit ging tatsächlich irgendwann rum. Tüten tragen halfen wir natürlich nicht.
Der dritte Tag stand dann erneut im Zeichen von Photo Photo. Wir erklommen das höchste Gebäude in Chicago, das auch - glaubt man den Angaben - eines der höchsten Gebäude der Welt ist und schossen jede Menge Bilder von einer gläsernen Aussichtsplattform im 103. Stockwerk. Ein Wahnsinn.

Wie's da runner geht:


Am Abend stand dann Abschiednehmen von Treevee auf dem Plan, die sich mit dem Greyhound-Bus zurück in Richtung Memphis verabschiedete. Wir guckten alle unfassbar traurig, was mir - finde ich - besonders gut gelang.

Treevee, naja:


Kahina...auch verbesserungswürdig:



Andi...mit Angela Merkel Gedächtnis-Blick:


Eigenlob stinkt, aber: Überzeugend!


Am nächsten Morgen machten sich Andi und ich dann auf den Weg nach Washington, während Kahina an die Westküste jettete. Unser Bus hatte lächerliche vier Stunden Verspätung und so erreichten wir D.C. nach schlappen 24 Stunden Mittwochmittag gegen 12 Uhr. Trotz Müdigkeit machten wir uns natürlich direkt auf die Touri, richtig, Photo Photo Tour. Capitol Hill, Weißes Haus, Lincoln Memorial (ich weiß nicht genau, warum das nicht Forrest Gump - Memorial heißt - wir nannten es jedenfalls so und spielten in Gedanken den Film nach), das ganze Programm eben. Dabei entdeckten wir ein neues Hobby. Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich es liebe, ein Touri zu sein. Trotzdem macht es einen riesen Spaß, andere Touristen zu beobachten. Eine bestimmte Gruppe ragt dabei besonders raus: deutsche Touristen. Trifft man immer und überall und erkennt sie aus 100 Metern. Da Andi ein wenig Deutsch spricht, näherten wir uns immer unauffällig deutschen Touristengruppen, hörten zu, was so gesprochen wurde und amüsierten uns köstlich. Ein Traum. Und hier die Highlights: Nummer eins: Älteres Ehepaar vor einer Entenfamilie: "Mensch Holger, guck doch mal: Die kleinen kleinen Flügelchen." Nummer zwei: Sohn (ca. 45 Jahre) zu seinem Vater (wohl knappe 25 Jahre älter) vor dem Vietnam-War-Veterans-Memorial): "Vati (!), schau doch mal die ganzen Namen. Da sind ja wirklich viele Soldaten gestorben." Nummer drei: Michael (wohnte im selben Hostel wie wir, reiste alleine - von Andi "sehr deutsches Michael" genannt): Ei, ich bin seit zwei Monate am Schaffe. Reifengroßhandel und so Geschichten. In zwei Tagen gehts heim, bin auch escht froh, mei Fieeß tun weh." Hachjaaa.

Photo Photo in Washington:



Freitagmorgen trennten sich dann auch Andis und meine Wege. Andi fuhr mit dem Greyhound-Bus nach New York, ich machte mich mit dem Flieger nach Orlando, von wo aus ich mit dem Bus weiter nach Miami fuhr. Ein komischer Plan und nicht wirklich durchdacht, aber so war es nun mal. Wie schon erwähnt, ist es nicht wirklich meine große Stärke, alleine durch die Gegend zu wackeln. Mein Orientierungssinn hat sich zwar, glaube ich, leicht verbessert, gut ist dennoch anders. Zum Flughafen schaffte ich es, am Check-in-Schalter dann das erste Problem: 26 Pounds Übergewicht (der Koffer, nicht ich). Die Optionen: 100$ Gebühr zahlen oder eine formschöne United-Airlines-Reisetasche erstehen und dann noch 35$ zahlen. Ich entschied mich für Variante zwei und begann, vor einer Reihe wartender Reisenden, meine Koffer umzupacken. Leider vergaß ich, dass ich einige der Papp-Penise, mit denen die Mädels der Family mein Zimmer geschmückt hatten, eingepackt hatte. Diese fielen natürlich raus und jeder konnte sehen, dass "Mark loves Penis". Naja. Ich checkte erfolgreich ein und verkrümelte mich in Richtung Gate. Dort dann das nächste "Hallo wach"-Erlebnis. Auf einem der überdimensionalen Bildschirme stand mein Name. Ich verstand nicht auf Anhieb, was Sache war und mein Puls erreichte Tour de France Dimensionen. Zum Glück ging es schlicht und einfach darum, dass ich mich an einem der Schalter melden musste, um meinen Boarding-Pass zu bekommen. Diese Hürde meisterte ich tatsächlich auch, in Orlando fand ich die Greyhound-Station, wartete dort geschlagene fünf Stunden auf den Bus, schlief die komplette Fahrt, nahm dann schließlich in Miami ein Taxi zum Hostel, realisierte im Hostel, dass ich dem Taxifahrer aus Versehen 14 Dollar Trinkgeld gegeben hatte, merkte dann, dass es 4Uhr in der Nacht war und ich erst um 15Uhr einchecken konnte und schlief schließlich in der Lobby ein. Reise überstanden und tatsächlich am Ziel angekommen.
Mittlerweile habe ich eingecheckt, mir am Strand - obwohl ich ja eher der braune Typ bin und mich sogar teilweise eingecremt habe - einen deftigen Sonnenbrand geholt und gestern das Champions League Finale geguckt. War ich jemals Bayern-Fan? Nö.
Morgen kommen dann endlich die fröhlichen Drei aus Germany und die Abschlussreise geht richtig los. Ich freu mich wie Bolle.
Leider habe ich in Miami bislang noch kein aktuelles Photo Photo geschossen - das is ja langweilig alleine. Aber so siehts hier aus...

Kommt her Jungs, kommt her:


Ich hoffe, dass ich am Ende der Reise noch einen großen finalen Farewell-Blog verfassen kann. Wir werden sehen. Ansonsten...bis bald!

Mittwoch, 12. Mai 2010

Très bon, fantastique et magnifique

Im Gefrierfach ist keine Tiefkühlpizza mehr, die letzte Dose Mountain Dew ist getrunken, unter meinem Bett stapeln sich leere Flaschen. Es geht merklich dem Ende entgegen in Memphis. Am Freitag steht der große Abschied auf dem Programm, was gleichzeitig der Beginn der großen Reise ist, ehe ich wieder in heimischen Gefilden lande. Die letzten Tage waren, sagen wir, actionbegrenzt. Schlafen bis 13Uhr, in der Sonne sitzen, bei verschieden Leuten "Auf Wiedersehen" (ist Quatsch, die meisten sieht man nie wieder, aber das will man dann ja nicht wahrhaben. "Wir sehen uns auf jeden Fall..." jaja) sagen, zum Dinner zusammen ausgehen, Film gucken, Gute Nacht. Der letzte offizielle Unitag liegt jetzt genau eine Woche zurück, seitdem gleicht der Campus und unser Complex einer Geisterstadt. Man sieht nur noch selten andere Menschen, es ist merklich ruhiger geworden, und alles geht irgendwie langsamer voran.

Schön, aber irgendwie...leer:


Bevor uns letzten Freitag die ersten drei Mitglieder unserer Family verlassen haben, starteten wir noch allerlei Touri-Kram in Memphis, den man gemacht haben muss, aber während der "normalen" Zeit einfach nicht macht. So standen das Civil-Rights-Museum und die Sunstudios, Stichwort: Kultur, auf dem Programm, wir verabschiedeten uns ausgiebig von Downtown, aßen einen letzten Mega-XXL-Sechs-Pfund-Burger und gingen zusammen mit zwei Ami-Freunden, was mein persönliches Highlight war, in ein brasiliansches Steakhouse. All you can eat. Jawollja. Ich hab zwei Tage vorher aufgehört, feste Nahrung zu mir zu nehmen, um auch ja nichts zu verpassen. Das Salat-Buffett ignorierte ich natürlich und war dementsprechend bereit für die große Schlacht. Das System war einfach und überzeugend. Jeder Gast bekam eine Art Ampelkarte ausgehändigt. Ampel grün: Die adrett gekleideten Kellner kommen mit allerlei Fleisch, Fleisch und Fleisch an deinen Tisch und häufen auf, was das Zeug hält. Ampel rot: Kampf gegen den eigenen Magen verloren, Weichei, aufgegeben, schämen. Es sprach niemand aus, aber es war klar, dass derjenige der zuerst auf rot umschwenken werde, der Verliererer des Tages sei. Man durfte natürlich entscheiden, ob man gerade bereit war, nach dem halben Huhn ein Lammkotelett zu verdrücken oder zwei Minuten zu warten bis das Rindersteak kommt. Aber wer sagt schon nein...eben. Das Fleisch war göttlich und ich in guter Form. Mit G konnte ich allerdings nicht mithalten. Dieser kleine, dünne Mensch wurde einfach nicht satt, bzw. fand immer noch irgendwo Platz in seinem Magen. Ich wurde somit Zweiter, guter Zweiter.

Und das war mein bester Freund. Das Tier am Spieß zuckte glaub ich noch leicht:



Das Ess-Koma fiel dementsprechend heftig aus und es wurde allgemein viel geschlafen an diesem Tag. Letzten Donnerstag begann dann, der schon erwähnte, große Abschied der ersten drei Mitgleider unserer Familie. Ich glaube, dass ich aus irgendeinem Grund, unsere Family noch nicht ausreichend gewürdigt habe in meinem Blog. Dies folgt jetzt. Aus der Gruppe der International Students haben sich, wie das immer so ist, einzelne Untergruppierungen gebildet. Wie auf dem Schulhof. Die Komischen, die Mädchen, die lieber für sich sein wollen, die Dicken und die Coolen. Wir sind natürlich die Coolen. Die Komischen sind zwei Franzosen. Der eine hat blaue Haare, DIE andere einen Schnurrbart und nur eine große Augenbraue. Nun gut. Zu den Coolen jedenfalls gehören G, Tiphaine, Kahina (France), Silvia (Italia), Neil der Hobbit (Scotland), Andi (Dänemark), Treevee (Vietnam-USA-Verschnitt) und ich (Weltmeister-Land). Wir machen, bzw. haben alles zusammen gemacht. Jeden Tag, jeden Abend, jedes Wochenende. Das ist wie Ferienlager. Dementsprechend legendär musste natürlich der letzte Abend zelebriert werden, was uns, meiner Meinung nach, eindrucksvoll gelungen ist. Man traf sich, dem Ritual entsprechend, in meiner Butze. Wie immer nicht pünktlich. Der geplante Abmarsch verzögerte sich um lächerliche 90 Minuten, die allerdings ohne Probleme und mit Fosters gut überbrückt wurden. Die erste Station des Abends war ein Restaurant - der BeautyShop - wo, mal wieder, gegessen und getrunken - und natürlich Fotos geschossen wurden. Ist ja der letzte Abend, das muss alles festgehalten werden und facebook...die alte Geschichte.

Ganz natürlich Pose. Die Hobbits:


Nach dem Restaurantbesuch fand man sich zu einem kurzen Zwischenstop in meiner Butze wieder, wo inzwischen die allwöchentliche Sause begonnen hatte. Danach ging es in einen Club, ehe man sich erneut in der Casa del Weide versammelte, um gegen 7 Uhr gemeinsam zum Flughaufen aufzubrechen und G, Tiphaine und Silvia zu verabschieden. Ins Bett ging es dann um Halb 11. Der Rest in Bildern.

Die Teil der Meute:


Die Brille sah nicht immer so aus:



Wyndles eigentlicher Beruf...Stripper:



Zwei für jeden, das muss dann reichen:



kleiner G, großer Bruder:



und so sah das dann am Flughafen aus. Knascht:



und zum Abschluss ein letztes gemeinsames Gruppenbild:



Das war das. Seitdem herrscht allgemeines Nichtstun. Am Freitag beginnt dann meine große Reise mit den Stationen: Chicago - Washington D.C. - Orlando - Miami - Key West - Bahamas - Washington D.C. - New York - Mainz. Ein bisschen Angeberei an dieser Stelle sei erlaubt. Und auch ein sehnsuchtsvoller Rückblick auf die vergangene Zeit in Memphis. Es war großartig. Ich muss jetzt noch mein Zimmer aufräumen und dann...bin ich weg.

So schlimm siehts gar nicht aus:



Bis bald - von wo auch immer. Euer Glatzen-Per.