Sonntag, 13. Juni 2010

Bissje Landscape gugge

Freunde des gepflegten Rasensports,
es ist tatsächlich vorbei. Mehr als fünf Monate USA sind rum. Zack, als wäre nicht passiert. Was für eine Zeit, was für ein Land und was für Erlebnisse. Aber bevor ich hier die Emotionalitätsobergrenze überschreite, kommen wir erstmal zu dem, was sich hier in den letzten drei Wochen zugetragen hat. Es war Urlaub angesagt. Und zwar so richtig, mit allem was dazu gehört. Los ging das feuchtfröhliche Treiben am 24. Mai in Miami mit folgenden Teilnehmern:

Sven Heuser. Our Leader - immer gut drauf, für jeden Spaß zu haben, um keine Antwort verlegen und durch nichts aus der Ruhe zu bringen:


Johann Schicklinski. Hatte in 80% der Zeit mindestens drei von vier Lampen an, merkte nach drei Tagen, dass die Toilette kaputt ist, sein Sonnenbrand erinnerte an extrem ansteckende Krankheiten, mag keine Frauen mit zu vielen Kilometern auf dem Tacho:


Stephan Werner. Führte zwei Tage lang akriebig Buch über seine Ausgaben, gab dies dann - zu Recht - auf, mietete das billigste Auto der Welt und fuhr prompt entgegengesetzt in eine dreispurige Einbahnstraße mitten in Miami, sieht auf Bildern manchmal...komisch...aus:


Kahina Hanis. Anwesend ab Bahamas. Gerüchten zufolge ist sie bald Inhaberin der größten Shish Kebab Kette der Welt, schenkt mir dann ein Haus in Chicago und eine Wohnung in New York. Ist nie pünktlich, bekommt - warum auch immer - überall alles umsonst:


und ich. Kennt man ja:


Alsooo...nach drei Tagen öden Alleineseins, alleine Sonnenbrand holen ohne ausgelacht zu werden und alleine Champions League Finale gucken war es endlich soweit und die drei fröhlichen deutschen Touris erreichten - mit ein wenig Verzögerung - den Flughafen in Miami. Man erkannte sich auf Anhieb wieder, sprach noch dieselbe Sprache und lachte über die gleichen Witze. Hervorragend. Der erste Tag stand ganz im Zeichen von Strand, Budweiser und Sonnenbrand ehe es am zweiten Tag zu den Everglades ging. Finanzminister Werner hatte vorab ein Auto gebucht, genauer ein SUV, sowas braucht man ja in den USA. Auf der Fahrt zeigte sich Herr Heuser besonders talentiert im Krokodile-Nachäffen, (also Nachkrokodilen. Kalauer, danke) während Schicki, der mit den Nachwehen der drei von vier Lampen zu kämpfen hatte, durchgehend nach Frischluft und Kaffee verlangte. Die Fahrt dauerte leider etwaaaas länger als geplant. Der erfahrene Everglades-Besucher Weidenfeller hatte als Ziel in das von S.Werner ebenfalls mitgebuchte GPS-System mit Stimme "Steffi" den Everglades-Nationalpark eingegeben, der sich an der komplett anderen Seite, also der Ostküste Floridas, befand. "Da soll es am besten sein", sagte er noch und los ging es. Immer Steffi nach. Nach 90 Minuten Fahrtzeit, auf der man einige gut besuchte Alligator-Safari-Anlegestellen (ich weiß nicht, wie man sowas nennt- da gibts halt Boote. Mit den Booten gehts auf den Sumpf, also eigentlich den Fluss, und da gibts dann Alligatoren oder Krokodile) passiert hatte, den Nationalpark erreichte, stellte man fest, dass dieser Park nicht wirklich viel mit Alligatoren zu tun hatte und, dass man geschätzte 70 Minuten in die falsche Richtung gefahren war. Von schlechter Laune war allerdings nichts zu sehen. ES WAR JA URLAUB. Und unser Leader Sven Heuser sagte den Satz des Urlaubs im perfekten Hessisch-Englisch: "Eija, fahren wir halt zurück noch bissje Landscape gugge." Jawollja! War das zu glauben? Unserem bekennenden Morgenmuffel war es einfach egal und er freute sich sogar. Ein Wahnsinn. "Is' ja Urlaub, ge", wurde zum geflügelten Wort und als Ausrede für alles genommen. Positiv wie neagtiv. So ging es also zurück. Vorbei an Sumpflandschaften, Sümpfen und Sumpfpflanzen. Aufregend ist anders, wir erfreuten uns dennoch unseres Lebens und sangen Lieder von Oasis, die der Papa vorher noch auf drei "Roadtrip"-CDs gebrannt hatte. Bin ja kein Amateur.

Und unser Leader bekam sogar noch ein Foto mit Snappy:


Nachdem die drei Tage in Miami vergangen waren wie im Flug, ging es Donnerstagmorgen mit Kind und Kegel in Richtung Key West. Fahrer Schicklinski und Steffi aus dem GPS verstanden sich auf Anhieb blendend und wir erreichten die südlichste "Stadt" der USA (ein bisschen Angeben an dieser Stelle sei erlaubt) nach exakt vorher berechneter Fahrtzeit. Das Wetter war bombig, das Hostel schnell bezogen und so machten wir uns, nachdem wir noch ein Pflicht-Touri-Picture geschossen hatten, auf den Weg an den Strand.

Kurz vor Kuba, roch schon nach Zigarre:


Am Strand angekommen versuchte unser ADS-Werner umgehend, Kokosnüsse von den Palmen, die von unserem Leader kennerhaft Kokosnussbäume genannt wurden, zu holen. Er warf geschätzte 80mal kokosnussgroße Steine in Richtung der Nüsse - ohne Erfolg. Dabei fand er viele Freunde, die ihn aufrichtig anfeuerten. Der Rest der Truppe wartete währenddessen amüsiert im Badewannen-Wasser. Kurz vor Aufgabe, schaffte es S.Werner dann tatsächlich, eine Kokosnuss zu bekommen und zerlegte diese gleich feierlich. Wir waren natürlich gespannt wie die Flitzebogen und wollten den Kokosnusssaft probieren, der zumindest in meiner Vorstellung wie Bounty schmecken musste. Die Enttäuschung war dementsprechend groß. Das Zeug schmeckte nämlich eigentlich nach nichts. Unser Kokosnuss-Jäger verkündete dennoch feierlich: "Schmeckt echt nach Kokos." Najaaa.
Aufgrund des unfassbaren Erfolgs, eine eigene Nuss von einer Palme zu holen, war der Rest der penisvergleichenden Gruppe natürlich angestachelt, dasselbe zu schaffen und vier (zumindest vom Alter her) erwachsene Menschen warfen abwechselnd Steine in Richtung Palmenspitze. Und nach einer halben Stunde hatten wir wirklich jeder unsere eigene Nuss - bis auf Schicklinski.

Die Ritter der Kokosnuss:


Nach diesem langen und anstrengenden Tag ging der sportabhängige Schicklinski tatsächlich "noch mal kurz um die Insel" joggen, während die dickbäuchigen Heuser, Werner, Weidenfeller es vorzogen, an der "Oceanside" den "Sunset" zu zelebrieren und dabei Bier zu trinken. Jedem das seine sagten wir uns. Es is' ja Urlaub. Schön wars. An der Oceanside. Bei Schicklinski wohl auch. Glauben wir ihm mal.

Mein Leader (immer gut drauf...) und ich - schon nach dem Sunset:


Am nächsten Tag ging es zum Schnorcheln - von unserem Leader liebevoll "Snorkele" - genannt.  Wir fuhren mit einem Boot in Richtung zweier Riffe (Riffs?), wo es von Fischen nur so wimmeln sollte und es dann tatsächlich auch tat. Ich gebe zu, dass mir vorher etwas mulmig war. Bei Tieren an sich und vor allem Fischen weiß man ja nie...Es verlief aber alles ohne größere Schäden. Ganz im Gegenteil: Es war wirklich der Hammer. Fische, Fische, Fische und der Papa mittendrin. Ich kam mir vor wie Arielle ohne Flosse. Herrlich. Wir erstanden vorher sogar noch extra eine Einmal-Unterwasserkamera, um die Haie, Riesenschildkröten und Blauwale auch für die Nachwelt festzuhalten. Diese Bilder können allerdings jetzt noch nicht präsentiert werden, da noch nicht entwickelt. Kommt noch. Wisster Bescheid. Abends ging es dann noch mal auf die Rolle. Und so sah das aus:

Mein absolutes Lieblingsfoto:


Key West hatten wir also auch schadlos überstanden und so machten wir uns nach drei Tagen über Nacht zurück nach Miami an den Flughafen, um in den Flieger in Richtung der Bahamas zu steigen. Da unsere Fahrer Schicki/ Werner nicht die komplette Nacht durchfahren wollten, legten wir vor Miami eine kleine Schlafpause ein, in der unseren Leader plötzlich eine ganz seltsame Lust befiel. "Boah, hab ich jetzt Bock auf Kreuzworträtsel", sagte er voller Inbrunst. Ich glaubte ihm, auch wenn ich nicht genau verstand, was in seinem Kopf schief lief. Zu viel Sonne, zu wenig Schatten, was war nur los? Ich machte mir Sorgen für fünf Sekunden, dann dachte ich: Naja, is' ja Urlaub. Wird schon wieder.
Am nächsten Morgen landeten wir dann tatsächlich auf den Bahamas. Eigentlich hatte sich auch Fräulein Hanis from France angekündigt. Sie hatte allerdings einen kleinen Fehler begangen und ihren Flug nicht für den vierten Juni, sondern den vierten Juli gebucht. Gut, das kann passieren. Am Telefon teilte sie mir mit: "Ich komme entweder abends an oder ich fliege direkt nach New York oder einfach heim." Joah, vielen Dank auch für die Info, dann weiß ich ja Bescheid. Den ersten Tag verlebten wir also in der bekannten und eingespielten Besetzung am Strand. Abends kauften wir echten (!) bahamian Cocnut-Rum und Ananassaft, um uns auch wie echte (!) Einheimische zu betrinken. Das gelang uns ganz gut. Und plötzlich klopfte es sogar an der Tür und Frau Hanis war da. Na siehste. 12 Stunden zu spät. Immerhin. Nachdem man sich gegenseitig bekannt gemacht hatte, ging es los in Richtung City. Auf dem Weg dorthin wollte man noch drei bis fünf Cheeseburger für auf die Hand besorgen. "Man braucht ja eine Grundlage" sagt die Mutter an sich ganz gerne. Leider hatte der McDonald's schon zu - nur der DriveIn war noch geöffnet. Wir überlegten kurz, ob wir uns als Auto in die Schlange stellen sollten, verwarfen diesen Gedanken allerdings wieder. Und dann trafen wir ihn: Ecko, den Security-Mann. Security-Kräfte an sich haben an sich ja jetzt nicht den Ruf, die absoluten Humorbolzen zu sein. Ecko war anders. Nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, fragte er uns, ob wir Hunger hätten. „Und wie“, war die einstimmige Antwort. „Ok, was wollt ihr denn?“, fragte er und zückte gleichzeitig Stift und Papier. „Ich nehme die Bestellung auf und kläre das.“ Na wunderbar dachten wir uns, gaben zu Protokoll nach was es uns lüstete und zehn Minuten später hatten wir tatsächlich unsere Burger inklusive abgezähltem Wechselgeld in der Hand. Ecko war unser bester Freund. Er erzählte uns allerlei über die Bahamas und Europa und seinen Job. Am Ende verständigten wir uns darauf, Freunde bei facebook zu werden. Ich gab ihm meinen Namen und, was soll ich sagen, seit ein paar Tagen sind wir offizielle Freunde im World Wide Web. Dieses Internet hat sich ja tatsächlich durchgesetzt. Klasse.

und hier isser: Mister Security 2010:


Nachdem wir uns also gestärkt und einen neuen Freund fürs Leben gefunden hatten, ging es weiter in eine echte (!) bahamian bar mit echten (!) Einheimischen und echten (!) lokalen Cocktails. Dem sogenannten Bahama Mama. Aha! Wir, also vor allem unser Leader, fanden schnell Freunde und sogar ein paar Leute, die freiwillig von uns ein Foto machten. Und so sahen wir aus...

Man beachte vor allem Johanns zweifarbige Stirn in Camouflage-Look:


Nach einem weiteren Tag in Nassau ging es mit dem Mailboat weiter in Richtung Grand Bahama Island. Das Mailboat ist eine Art Fähre, die eigentlich Fracht von A nach B bringt und dabei auch Passagiere mitnimmt. Unser Leader war leicht nervös, es verlief aber alles reibungslos. Auf Grand Bahama kamen wir frühmorgens an, das Hotel war natürlich noch zu und so mussten wir einige Stunden vorm Eingang schlafen. Das ist aber auf den Bahamas temperatur- und wettertechnisch jetzt nicht sooo schlimm. :) Unser Hotel war ein Traum. Wir waren so ziemlich die einzigen Gäste und bekamen die - für unsere Verhältnisse - Königssuite. Zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Terrasse mit Barbeque, eigenem Pool und...Whirlpool im Schlafzimmer. Olé olé. Es vergingen keine 10 Minuten und eben dieser Whirlpool wurde geentert. Zu dritt. Geeeht alles.

Ein bisschen Platz wäre noch da:


Am nächsten Tag mieteten wir uns ein Auto, um uns zum - wie vom Taxifahrer versprochen - schönsten Strand der Welt zu machen. Unser Resieführer versprach "einen ruhigen Strand, wo man vor allem am Wochenende kleinere Picknickgesellschaften antreffen kann." Soso, kleine Picknickgesellschaften also. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, da ich noch nie in meinem Leben vorher kleine Picknickgesellschaften gesehen hatte. Was macht so eine Picknickgesellschaft denn aus fragte ich mich. Professionelle Picknicker? Selbstgehäkelte Decken, Kirschkuchen von Oma und Bahama Mama aus selbstkühlenden Kanistern? Ich wusste es nicht, würde es aber erfahren. Eventuell. Vielleicht waren diese Picknickgesellschaften ja auch scheu wie die Kaninchen.
Unser Leader hatte die Karte in der Hand und navigierte den Fahrer S.Werner durch die Inselstraßen. Den schönsten Strand der Welt fanden wir natürlich nicht auf Anhieb, dafür aber ein anderes Fleckchen Paradies. Einen einsamen Strand mit einer Strandbar. Und wer waren die einzigen Gäste? Wir! Der Hammer. So hatte ich mir das vorestellt. Es gab sogar echtes (!) Bahamian Beer.

und so sah es aus:


und so sahen wir aus:



und so sahen wir aus, als es zur nächsten Station ging: (keine Sorge, unser Vorzeige-Vorbild und Fahrer Schicklinski hatte sich nicht vom Bahamian Beer verführen lassen):


Die nächste Station war dann tatsächlich der schönste Strand der Welt. Zu meiner großen Enttäuschung trafen wir keine kleinen Picknickgesellschaften. Könnte daran gelegen haben, dass wir nicht am Wochenende angereist waren. Schade schade, aber ich komme wieder!
Nach einem weiteren Tag auf Grand Bahama mit BBQ, Rührei zum Frühstück und waghalsigen Missionen im Pool sollte es zurückgehen nach Miami, von wo aus am nächsten Morgen für Schicki und Werner die Flieger zurück nach Deutschland und für meinen Leader, Kahina und mich die Flieger in Richtung Washington D.C. starten sollten. Unser Plan war, erneut das Mailboat zu nehmen. Das hatte beim ersten Mal ja ganz gut geklappt. Unser Taxi kam pünktlich, den Steg erreichten wir, unsere Koffer gaben wir ab, dann zum Ticketschalter..."Fünfmal nach Miami ,bitte." Die Dame am Schalter schaute uns mit großen Augen an: "Miami? Wir bringen keine Passagiere nach Amerika, nur Fracht." Aha. Wir fragten noch mal nach, ob sie nicht vielleicht scherzte. Aber nein, sie meinte es ernst. Da standen wir also. Es war mittlerweile 18Uhr abends, wir mussten spätestens um 10Uhr am nächsten Morgen in Miami sein. Nun war guter Rat teuer. Ich fragte einen der Crew, ob sie nicht ein paar Arbeiter brauchten, doch da war nichts zu machen. Wir fuhren also zum Flughafen und buchten Flüge für den nächsten Morgen und dann zurück ins Hotel, noch eine Nacht. Billig ist anders, aber: ES WAR JA URLAUB!
Wir kamen rechtzeitig in Miami an, wo sich unsere Wege trennten. Von jetzt an gab unser Leader das Tempo vor. Es stand Sightseeing auf dem Programm. (Ich werde die letzte Woche ein wenig abkürzen, das liest sich ja keiner mehr durch) Zuerst Washington zu dritt, dann noch zwei Tage New York zu dritt und dann noch drei Tage nur mein Leader und ich. Die Tagesabläufe glichen sich. Unser Leader bestimmte die Weckzeit und kommandierte dann nacheinander erst mich und Kahina in die Dusche, ehe er sich selbst aus den Federn schälte. Immer gut gelaunt und für jeden Spaß zu haben war das Stichwort, an das er sich immer hielt. Auf unseren Sightseeing-Touren kannte unser Leader kein Pardon. Pausen gab es nur selten und nur kurz. Verhandlungen und Diskussionen wurden nicht geduldet, Toilettenpausen gab es nur zu ausgewählten Zeiten und das Wort "müde" war tabu. Dafür bekamen wir allerdings das Rundum-Sorglos-Programm. Unser Leader gab den Weg vor, auf dem wir alles, aber auch wirklich alles zu sehen bekamen. Er führte zu uns zu ausgewählten "Picture-Points", von wo aus man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kurz bestaunen und eben fotografieren konnte. Danach ging es weiter im Sauseschritt.

und das ist die fröhliche Reisegruppe Heuser. Unser Leader guckt ein bisschen grimmig, aber das meint der nicht so:


In New York dasselbe Spiel. Unser Leader vorneweg, wir bzw. ich hinterher. Und ab und zu ein Picture.

Die Yankees und ich. Der Superbowl oder so:



Sooo, das war das. Mittlerweile sitze ich alleine in der Hostel-Lobby, nervös wie Lumpi und warte darauf, dass Klose endlich die Aussis abschießt. Ich bin guter Dinge. Ich hoffe nur, dass von unseren Filigran-Technikern niemand auf die Idee kommt, diese unseglichen lila-orangen Nike-Treter anzuziehen. Dann läuft das. Man stellt sich nur mal vor...Arne Friedrich in lila Schuhen...naja, wie dem ach sei.

Und jetzt zum Abschiedsteil. Wie ich schon erwähnt habe, ist heute mein letzter Tag in den USA. Es war grandios. Ich habe mir viel versprochen, aber es war besser. Viel besser. Die Family, meine Mitbewohner, das Land, die Leute...Wahnsinn. Eigentlich will ich nicht wirklich weg...
Dennoch freue ich mich riesig auf die Heimat. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich, bevor ich abgeflogen bin, so meine Bedenken, wie alles werden wird. Kennt man mich noch, wenn ich zurück bin? Wird alles noch so sein wie vorher? Frei nach dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn?" und was soll ich sagen...ich habe mich immer und jedes Mal gefreut, wenn ich was von euch gehört habe. Und sei es nur ein liebenswertes (mooning) über skype. Es gibt tatsächlich Leute außer Mama Weide, die diesen Blog gelesen haben und ab und zu wissen wollten, ob ich noch lebe. Das ist schön. :)

In diesem Sinne.
Bis bald!

Sonntag, 23. Mai 2010

Photo Photo

So Freunde,
die erste Woche der Tour de Amerika ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Ich sitze momentan in Miami, ganz alleine. Es gibt ja tatsächlich Menschen, die gerne alleine reisen. Zu dieser merkwürdigen Spezies gehöre ich definitiv nicht. Vor zwei Tagen habe ich mich vom letzten verbliebenen Familienmitglied - Andi - verabschiedet. Seitdem ist der Papa auf sich alleine gestellt. Puh.
Aber nun von Anfang an. Eine Woche nach dem Uni-Ende ging es in der Besetzung Treevee, Kahina, Andi, Weidenfeller mit dem Greyhound-Bus von Memphis nach Chicago. "The windy city" wie sie von den Fachleuten genannt wird. Die Busfahrt überstanden wir trotz einiger Ungereimtheiten und merkwürdigen Umstände ohne große Folgeschäden, das Hotel fanden wir nach einem 20-minütigen Fußmarsch auch, einchecken konnten wir natürlich nicht direkt, aber das wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen. Nachdem sich die Damen 30 Minuten lang kurz frisch gemacht hatten, ging es los auf die große "Photo Photo"-Jagd. Es gibt ja fast Nichts, was ich mehr liebe, als Tourist zu sein. Zerfetzte Straßenkarte in der Hand, verwirrt gucken und von jedem Dreck ein Foto schießen, dann wahllos Passanten ansprechen, ob sie denn ein Foto von der ganzen Gruppe machen könnten. "Kein Problem" ist wirklich immer die Antwort und zack hat der Freiwillige nicht eine, sondern vier Kameras in der Hand - das Erinnerungsfoto braucht ja schließlich jeder. "Der große Knopf ganz oben", und das Ding ist im Kasten. So geht das für Stunden. Herrlich. Ich bin ehrlich: Wenn ich eine Bauchtasche und Sandalen hätte - ich würde sie anziehen.

dieses Foto gibt es tatsächlich in vierfacher Ausführung:


Nachdem wir am ersten Tag jeder geschätzte 300 Fotos gemacht und einen anständigen Nap (Touri sein ist anstrengend) hinter uns gebracht hatten, begannen die Vorbereitungen auf den Abend. Die Marschroute war klar und einfach: Bier und Pizza im Hotelzimmer, dann ab - wohin auch immer. Bier war kein Problem, Pizza auch nicht. Allerdings sah die Pizza nicht aus, wie normale Pizza, sondern eher wie ein Kuchen. "Chicago-Style Deep Dish"- Pizza nennt man das. Geschmeckt hats, und zwar zum Abendessen, als Nacht-Snack nach dem Heimkommen und zum Frühstück. Was ein Teil.

Gesund ist anders:


Am zweiten Tag stand - leider - Shopping auf dem Programm. Andi und ich hatten uns, in einer Bierlaune, überreden lassen. Wird schon nicht so lange dauern dachten wir. Pustekuchen. Während die shoppingbesessen Kahina und Treevee von einer Umkleidekabine zur anderen eilten, vertrieben wir uns die Zeit mit Aussehens-Noten vergeben an vorbeilaufende Chicago-"Schönheiten". Auf einer Skala von eins bis zehn. Wenn eins Hella von Sinnen und zehn Mehmet Scholl in weiblich ist... Wir vergaben auffallend viele Dreier und die Zeit ging tatsächlich irgendwann rum. Tüten tragen halfen wir natürlich nicht.
Der dritte Tag stand dann erneut im Zeichen von Photo Photo. Wir erklommen das höchste Gebäude in Chicago, das auch - glaubt man den Angaben - eines der höchsten Gebäude der Welt ist und schossen jede Menge Bilder von einer gläsernen Aussichtsplattform im 103. Stockwerk. Ein Wahnsinn.

Wie's da runner geht:


Am Abend stand dann Abschiednehmen von Treevee auf dem Plan, die sich mit dem Greyhound-Bus zurück in Richtung Memphis verabschiedete. Wir guckten alle unfassbar traurig, was mir - finde ich - besonders gut gelang.

Treevee, naja:


Kahina...auch verbesserungswürdig:



Andi...mit Angela Merkel Gedächtnis-Blick:


Eigenlob stinkt, aber: Überzeugend!


Am nächsten Morgen machten sich Andi und ich dann auf den Weg nach Washington, während Kahina an die Westküste jettete. Unser Bus hatte lächerliche vier Stunden Verspätung und so erreichten wir D.C. nach schlappen 24 Stunden Mittwochmittag gegen 12 Uhr. Trotz Müdigkeit machten wir uns natürlich direkt auf die Touri, richtig, Photo Photo Tour. Capitol Hill, Weißes Haus, Lincoln Memorial (ich weiß nicht genau, warum das nicht Forrest Gump - Memorial heißt - wir nannten es jedenfalls so und spielten in Gedanken den Film nach), das ganze Programm eben. Dabei entdeckten wir ein neues Hobby. Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich es liebe, ein Touri zu sein. Trotzdem macht es einen riesen Spaß, andere Touristen zu beobachten. Eine bestimmte Gruppe ragt dabei besonders raus: deutsche Touristen. Trifft man immer und überall und erkennt sie aus 100 Metern. Da Andi ein wenig Deutsch spricht, näherten wir uns immer unauffällig deutschen Touristengruppen, hörten zu, was so gesprochen wurde und amüsierten uns köstlich. Ein Traum. Und hier die Highlights: Nummer eins: Älteres Ehepaar vor einer Entenfamilie: "Mensch Holger, guck doch mal: Die kleinen kleinen Flügelchen." Nummer zwei: Sohn (ca. 45 Jahre) zu seinem Vater (wohl knappe 25 Jahre älter) vor dem Vietnam-War-Veterans-Memorial): "Vati (!), schau doch mal die ganzen Namen. Da sind ja wirklich viele Soldaten gestorben." Nummer drei: Michael (wohnte im selben Hostel wie wir, reiste alleine - von Andi "sehr deutsches Michael" genannt): Ei, ich bin seit zwei Monate am Schaffe. Reifengroßhandel und so Geschichten. In zwei Tagen gehts heim, bin auch escht froh, mei Fieeß tun weh." Hachjaaa.

Photo Photo in Washington:



Freitagmorgen trennten sich dann auch Andis und meine Wege. Andi fuhr mit dem Greyhound-Bus nach New York, ich machte mich mit dem Flieger nach Orlando, von wo aus ich mit dem Bus weiter nach Miami fuhr. Ein komischer Plan und nicht wirklich durchdacht, aber so war es nun mal. Wie schon erwähnt, ist es nicht wirklich meine große Stärke, alleine durch die Gegend zu wackeln. Mein Orientierungssinn hat sich zwar, glaube ich, leicht verbessert, gut ist dennoch anders. Zum Flughafen schaffte ich es, am Check-in-Schalter dann das erste Problem: 26 Pounds Übergewicht (der Koffer, nicht ich). Die Optionen: 100$ Gebühr zahlen oder eine formschöne United-Airlines-Reisetasche erstehen und dann noch 35$ zahlen. Ich entschied mich für Variante zwei und begann, vor einer Reihe wartender Reisenden, meine Koffer umzupacken. Leider vergaß ich, dass ich einige der Papp-Penise, mit denen die Mädels der Family mein Zimmer geschmückt hatten, eingepackt hatte. Diese fielen natürlich raus und jeder konnte sehen, dass "Mark loves Penis". Naja. Ich checkte erfolgreich ein und verkrümelte mich in Richtung Gate. Dort dann das nächste "Hallo wach"-Erlebnis. Auf einem der überdimensionalen Bildschirme stand mein Name. Ich verstand nicht auf Anhieb, was Sache war und mein Puls erreichte Tour de France Dimensionen. Zum Glück ging es schlicht und einfach darum, dass ich mich an einem der Schalter melden musste, um meinen Boarding-Pass zu bekommen. Diese Hürde meisterte ich tatsächlich auch, in Orlando fand ich die Greyhound-Station, wartete dort geschlagene fünf Stunden auf den Bus, schlief die komplette Fahrt, nahm dann schließlich in Miami ein Taxi zum Hostel, realisierte im Hostel, dass ich dem Taxifahrer aus Versehen 14 Dollar Trinkgeld gegeben hatte, merkte dann, dass es 4Uhr in der Nacht war und ich erst um 15Uhr einchecken konnte und schlief schließlich in der Lobby ein. Reise überstanden und tatsächlich am Ziel angekommen.
Mittlerweile habe ich eingecheckt, mir am Strand - obwohl ich ja eher der braune Typ bin und mich sogar teilweise eingecremt habe - einen deftigen Sonnenbrand geholt und gestern das Champions League Finale geguckt. War ich jemals Bayern-Fan? Nö.
Morgen kommen dann endlich die fröhlichen Drei aus Germany und die Abschlussreise geht richtig los. Ich freu mich wie Bolle.
Leider habe ich in Miami bislang noch kein aktuelles Photo Photo geschossen - das is ja langweilig alleine. Aber so siehts hier aus...

Kommt her Jungs, kommt her:


Ich hoffe, dass ich am Ende der Reise noch einen großen finalen Farewell-Blog verfassen kann. Wir werden sehen. Ansonsten...bis bald!

Mittwoch, 12. Mai 2010

Très bon, fantastique et magnifique

Im Gefrierfach ist keine Tiefkühlpizza mehr, die letzte Dose Mountain Dew ist getrunken, unter meinem Bett stapeln sich leere Flaschen. Es geht merklich dem Ende entgegen in Memphis. Am Freitag steht der große Abschied auf dem Programm, was gleichzeitig der Beginn der großen Reise ist, ehe ich wieder in heimischen Gefilden lande. Die letzten Tage waren, sagen wir, actionbegrenzt. Schlafen bis 13Uhr, in der Sonne sitzen, bei verschieden Leuten "Auf Wiedersehen" (ist Quatsch, die meisten sieht man nie wieder, aber das will man dann ja nicht wahrhaben. "Wir sehen uns auf jeden Fall..." jaja) sagen, zum Dinner zusammen ausgehen, Film gucken, Gute Nacht. Der letzte offizielle Unitag liegt jetzt genau eine Woche zurück, seitdem gleicht der Campus und unser Complex einer Geisterstadt. Man sieht nur noch selten andere Menschen, es ist merklich ruhiger geworden, und alles geht irgendwie langsamer voran.

Schön, aber irgendwie...leer:


Bevor uns letzten Freitag die ersten drei Mitglieder unserer Family verlassen haben, starteten wir noch allerlei Touri-Kram in Memphis, den man gemacht haben muss, aber während der "normalen" Zeit einfach nicht macht. So standen das Civil-Rights-Museum und die Sunstudios, Stichwort: Kultur, auf dem Programm, wir verabschiedeten uns ausgiebig von Downtown, aßen einen letzten Mega-XXL-Sechs-Pfund-Burger und gingen zusammen mit zwei Ami-Freunden, was mein persönliches Highlight war, in ein brasiliansches Steakhouse. All you can eat. Jawollja. Ich hab zwei Tage vorher aufgehört, feste Nahrung zu mir zu nehmen, um auch ja nichts zu verpassen. Das Salat-Buffett ignorierte ich natürlich und war dementsprechend bereit für die große Schlacht. Das System war einfach und überzeugend. Jeder Gast bekam eine Art Ampelkarte ausgehändigt. Ampel grün: Die adrett gekleideten Kellner kommen mit allerlei Fleisch, Fleisch und Fleisch an deinen Tisch und häufen auf, was das Zeug hält. Ampel rot: Kampf gegen den eigenen Magen verloren, Weichei, aufgegeben, schämen. Es sprach niemand aus, aber es war klar, dass derjenige der zuerst auf rot umschwenken werde, der Verliererer des Tages sei. Man durfte natürlich entscheiden, ob man gerade bereit war, nach dem halben Huhn ein Lammkotelett zu verdrücken oder zwei Minuten zu warten bis das Rindersteak kommt. Aber wer sagt schon nein...eben. Das Fleisch war göttlich und ich in guter Form. Mit G konnte ich allerdings nicht mithalten. Dieser kleine, dünne Mensch wurde einfach nicht satt, bzw. fand immer noch irgendwo Platz in seinem Magen. Ich wurde somit Zweiter, guter Zweiter.

Und das war mein bester Freund. Das Tier am Spieß zuckte glaub ich noch leicht:



Das Ess-Koma fiel dementsprechend heftig aus und es wurde allgemein viel geschlafen an diesem Tag. Letzten Donnerstag begann dann, der schon erwähnte, große Abschied der ersten drei Mitgleider unserer Familie. Ich glaube, dass ich aus irgendeinem Grund, unsere Family noch nicht ausreichend gewürdigt habe in meinem Blog. Dies folgt jetzt. Aus der Gruppe der International Students haben sich, wie das immer so ist, einzelne Untergruppierungen gebildet. Wie auf dem Schulhof. Die Komischen, die Mädchen, die lieber für sich sein wollen, die Dicken und die Coolen. Wir sind natürlich die Coolen. Die Komischen sind zwei Franzosen. Der eine hat blaue Haare, DIE andere einen Schnurrbart und nur eine große Augenbraue. Nun gut. Zu den Coolen jedenfalls gehören G, Tiphaine, Kahina (France), Silvia (Italia), Neil der Hobbit (Scotland), Andi (Dänemark), Treevee (Vietnam-USA-Verschnitt) und ich (Weltmeister-Land). Wir machen, bzw. haben alles zusammen gemacht. Jeden Tag, jeden Abend, jedes Wochenende. Das ist wie Ferienlager. Dementsprechend legendär musste natürlich der letzte Abend zelebriert werden, was uns, meiner Meinung nach, eindrucksvoll gelungen ist. Man traf sich, dem Ritual entsprechend, in meiner Butze. Wie immer nicht pünktlich. Der geplante Abmarsch verzögerte sich um lächerliche 90 Minuten, die allerdings ohne Probleme und mit Fosters gut überbrückt wurden. Die erste Station des Abends war ein Restaurant - der BeautyShop - wo, mal wieder, gegessen und getrunken - und natürlich Fotos geschossen wurden. Ist ja der letzte Abend, das muss alles festgehalten werden und facebook...die alte Geschichte.

Ganz natürlich Pose. Die Hobbits:


Nach dem Restaurantbesuch fand man sich zu einem kurzen Zwischenstop in meiner Butze wieder, wo inzwischen die allwöchentliche Sause begonnen hatte. Danach ging es in einen Club, ehe man sich erneut in der Casa del Weide versammelte, um gegen 7 Uhr gemeinsam zum Flughaufen aufzubrechen und G, Tiphaine und Silvia zu verabschieden. Ins Bett ging es dann um Halb 11. Der Rest in Bildern.

Die Teil der Meute:


Die Brille sah nicht immer so aus:



Wyndles eigentlicher Beruf...Stripper:



Zwei für jeden, das muss dann reichen:



kleiner G, großer Bruder:



und so sah das dann am Flughafen aus. Knascht:



und zum Abschluss ein letztes gemeinsames Gruppenbild:



Das war das. Seitdem herrscht allgemeines Nichtstun. Am Freitag beginnt dann meine große Reise mit den Stationen: Chicago - Washington D.C. - Orlando - Miami - Key West - Bahamas - Washington D.C. - New York - Mainz. Ein bisschen Angeberei an dieser Stelle sei erlaubt. Und auch ein sehnsuchtsvoller Rückblick auf die vergangene Zeit in Memphis. Es war großartig. Ich muss jetzt noch mein Zimmer aufräumen und dann...bin ich weg.

So schlimm siehts gar nicht aus:



Bis bald - von wo auch immer. Euer Glatzen-Per.




Montag, 26. April 2010

Und ich schwimm, schwimm, schwimm

Ich gebe es zu. Ich bin etwas blogfaul geworden. Das liegt zum Einen am guten Wetter und dem damit verbundenen Drang, mit seinem Hintern nicht vorm PC, sondern eher in der Sonne zu sitzen. Und zum Anderen einfach daran, dass sich die Uni ganz gewaltig dem Ende entgegenneigt und ich hier nur noch am Malochen bin. Ok, eine der Gründe war gelogen. Dieses In-der-Sonne-Sitzen übrigens scheint ein europäisches Phänomen zu sein. Die Horde der International Students versammelt sich täglich an unserem Hotspot, um Sonne zu tanken und das Wetter zu genießen. Seitdem kennt uns hier jeder. "Are you ok?" werden wir immer wieder gefragt. "It's a nice day, isn't it?!" verbunden mit einem Gesichtsausdruck, der sowohl Unverständnis als auch ein klein wenig Abneigung offenbart, ist die andere Variante, die im Endeffekt dasselbe aussagen soll. Man bekommt immer wieder das Gefühl, dass die Amis die Sonne einfach nicht mögen, bzw. sie anders nutzen. Sobald die ersten Sonnenstrahlen zu sehen sind und das Thermometer die 75° Fahrenheit-Marke überschreitet, schrillen die Alarmglocken und es geht im Stechschritt in Richtung Klimaanlage und dann aber volle Pulle aufgedreht das Ding. Mein Zimmer und unsere komplette Wohnung ist ab und zu so kalt, dass ich mir schon ein paar mal überlegt habe, mich zum Aufwärmen in den Kühlschrank zu setzen. Ich habe versucht zu erklären, dass es arschkalt ist. Es wäre nicht kalt, sondern "chilly" war die Antwort. Na gut, dachte ich. Seitdem herrscht ein interner Kampf, wer wann wie die Klimaanalage bedient. Manchmal gewinne ich, manchmal aber auch nicht. Dann lieg ich im Sommer in meinem Zimmer unter zwei Decken und friere. Auch mal ein Erlebnis.

Nun gut. Kommen wir zu den Highlights der letzten Wochen. Die letzten beiden Wochenenden standen ganz im Zeichen des Geburtstag von Treevee. So ein Ereignis muss in Amerika ausreichend gefeiert werden, also gleich doppelt und dreifach. Wobei das Wort "Feiern" in Amerika eine andere Bedeutung zu haben scheint als in Europa. Ich hab manchmal das Gefühl, dass sich das komplette Leben hier bei facebook abspielt. Bei Partys kommt es nur darauf an, möglichst viele gestellte Bilder mit möglichst vielen lächelnden Menschen zu machen, diese dann bei facebook hochzuladen und jedem glaubhaft zu versichern, dass man "a lot of fun hanging out with you guys" hatte. In Wahrheit hatte die Family "a lot of fun", die Amis machten Fotos und waren dann schneller wieder weg als Franz Beckenbauer Jean Pierre Papin sagen kann. Naja.
Der minütlich geplante Ablauf der beiden Geburtstagwochenenden sah so aus: Samstagmittag: Football-Game der Tigers, davor: Grillen auf dem Parkplatz mit Bier. Das ist ja offiziell erlaubt, macht keinen Sinn, aber das stört ja niemanden. Offiziell nennt man das Ganze übrigens: Tailgating. Danach: Gemeinsamer Besuch von Tiphaines Tanz-Auftritt, dann: Essen im Sushi-Restaurant, trinken was geht und dann gucken was kommt. Oder passiert. Mitternacht: Anstoßen (das hatte ich mir zumindest so vorgestellt, in Amerika läuft das anders). Sonntag dann gemeinsames Ausnüchtern bei einem Baseball-Spiel der Memphis RedBirds, abends erneut essen.
Wochenende zwei: Fahrt zu Haus am See, mit Boot und Grill und Bier.

Die Geschichte des Tailgatings und des Football-Spiels ist schnell erzählt. Den Grill haben wir anbekommen, das Fleisch verputzt, ebenso das widerlich schmeckende Budweiser aus Dosen, das Football-Spiel war, naja, so spannend, dass wir nach 15 Minuten wieder abgedampft sind. Das Stadion haben wir nun mal von innen gesehen, kann auf der Liste abgehakt werden, mehr aber auch nicht.
Punkt zwei, die Dance-Performance. Dieser Tagesordnungspunkt wurde vor allem vom männlichen Teil der Familie mit gemischten Gefühlen betrachtet. Es war klar, dass das ganze Event etwa zwei Stunden dauern würde und Tiphaine aber erst im allerletzten (von neun) Teilen zu sehen sein wird. Durchhalten war angesagt und möglichst leise schnarchen. Das Ganze war dann wirklich ein wenig seltsam. Ich glaube, dass es irgendwie alternativ, künstlerisch anspruchsvoll und innovativ sein sollte. Und genau das war das Problem. Alte und dicke Menschen sprangen ohne jeglichen Zusammenhang zur Musik auf der Bühne umher, ein dicker Japaner spielte Geige, während ein anderer dicker Mensch ein Gedicht vorlas. Seltsam. Ich verstand es nicht, den anderen ging es ähnlich, glaub ich. Die zwei Stunden gingen aber trotzdem irgendwie rum, Tiphaines Auftritt war der Einzige, der in meinen Augen etwas mit Tanzen zu tun hatte. Alles nahm ein positives Ende und wir konnten endlich essen und trinken. Na bitte.

Und das ist er - der Star des Abends (hat sich gefreut wie ein Keks, dass wir ein Bild von ihm machen wollten): aah, veeeely good:


Auf Andi und G hatte das Getanze irgendwie eine seltsame Auswirkung:



Die eigentliche Party fand dann im Restaurant von Treevees Eltern statt, das wir komplett für uns alleine hatten. Es gab undefinierbare vietnamesische Suppe, Bier aus aller Herren Länder und - wie es sich für eine asiatische Feier gehört - Karaoke. Die Möglichkeit, die Karaoke-Maschine zu nutzen und ein Lied zum Besten zu geben, wurde anfangs von jedem geflissen umgangen. Mit zunehmender Dauer änderte sich dieses zurückhaltende Verhalten allerdings deutlich und es entstand ein wildes Durcheinander der schlechtesten Lieder der Welt. G sang ein französiches Lied, Andi ein dänischnes Lied über Hunde im Himmel, es folgten einige amerikanische bzw. englische Evergreens, ehe sich der Papa das Mikro schnappte und für gutes deutsches Liedgut sorgte. Das Fliegerlied stand auf dem Programm. Ich engagierte mich als Vortänzer und schnell war die ganze Kindergartengruppe auf den Beinen und tanzte ein Lied für Siebenjährige. Herrlich.

Natürlich durfte auch Oasis nicht fehlen:



Ok, noch mal zurück zu den amerikanischen Geflogenheiten, eine Geburtstagsparty zu feiern. Je näher Mitternacht rückte, desto öfter rief einer der europäischen Gäste die verbleibende Minutenzahl bis zum offiziellen Zeitpunkt des Geburtstages in die Runde. Dies wurde allerdings meistens weitgehend ignoriert. Ich begann mich zu wundern. Als es dann nur noch wenige Sekunden waren, starteten Andi, G und ich lauthals den Countdown. Wir erwarteten kein Feuerwerk, zumindest aber überkochende Emotionen und Umarmungen aus allen Himmelsrichtungen. Es war Punkt 12, Mitternacht, Geburtstag, Zeit der Wunderkerzen und kleinen Yes-Torten. Doch was geschah? Nichts. Die Amis saßen da wie bestellt und nicht abgeholt. Es interessierte einfach niemanden. Waren die eingeschlafen oder waren die Batterien der Kameras leer? Na gut, wir haben uns dann wieder der Karaoke-Maschine gewidmet, ehe fünf Minuten später sämtliche amerikanische Gäste das Weite suchten. Aber natürlich nicht, ohne vorher noch das obligatorische facebook-ich-war-dabei-Foto geschossen zu haben.

we had so much fun hanging out with you guys:



Nun gut, wir haben die Party standesgemäß zu Ende gefeiert. Auf Europäisch. Am Sonntag versammelten wir uns gegen 12:30 Uhr, um ein Baseballspiel zu besuchen. Wir, das waren die, die nicht ihrem Kater erlegen waren. G und Andi ließen sich nicht blicken. Eine durchaus kluge Entscheidung, wie ich später feststellen sollte. Denn: Wenn man American Football langweilig findet, sollte man nicht mal über Baseball nachdenken. Das setzt dem Ganzen wirklich die Krone auf. Es passiert schlicht und einfach nichts. Gar nichts. Vier Stunden im Stadion und keiner weiß warum. Das einzig Gute war, dass wir Plätze auf einer Art großen Liegewiese hatten, von wo aus man das Spiel sehen konnte,aber nicht gezwungener Maßen musste. Die Zeit ging so irgendwie vorbei.

Es gibt Leute, die gehen da tatsächlich mit der ganzen Famile hin. Ein Wahnsinn:


In einem der Teams spielte übrigens ein Mann mit dem schönen Namen E. (vermutlich für East) German. Ich glaube, er spielte Linksaußen. Kalauer. Vielen Dank:


Das erste Wochenende hatten wir also erfolgreich gemeistert, die Halbzeit des Geburtstag-auf-Amerikanisch-Marathons war erreicht. An diesem Wochenende stand dann der Trip nach Arkansas zu einem Haus von Verwandten auf dem Programm. Das Haus sollte uns gehören. Ein See war auch da, soweit so gut. Leider gab es eine Tornado-Warnung für den kompletten Staat Arkansas und also wir Freitagabend losfuhren regente es tasächlich wie aus Eimern. Einen Tornado sollten wir allerdings leider nicht zu sehen bekommen. Nun gut, das Wochenende ist schnell erzählt. Grill, See, Bier, dennoch gutes Wetter, jede Menge Spaß, wenig Schlaf, Narhalla Marsch.

Nur er schlief zwischendurch kurz ein:


Gut, nun zum Beweis, dass ich hier tatsächlich auch was arbeite. Letzte Woche hatte ich eine Präsentation. Hört hört. War soweit kein großes Thema, denke ich. Andi machte Fotos von mir und nahm auch ein Video auf. Das Video hab ich mir danach angeguckt. Das Phänomen, das man seine eigene Stimme komisch findet kennt jeder. Wenn man das Ganze aber noch mit einer fremden Sprache vermischt, ist es doppelt seltsam. Das ist also dieser South-Accent dachte ich. Hört sich irgendwie an wie Hessisch. Kerle Kerle.


Die Uni geht übrigens bereits in ihre letzte Woche. Mittwoch letzter Vorlesungstag, Freitag letzte Klausur. Dann wird erstmal entspannt und an der Bikini-Figur gearbeitet, ehe ich am 14. Mai Memphis verlasse und mich auf die große Abschlussreise begebe. Kinners, wie die Zeit vergeht.
In diesem Sinne, Daumen drücken für die Casa del Weide und ein dreifaches Grolsch olé.