Mittwoch, 24. März 2010

Nur noch fünf Minuten

Guten Abend allerseits,
nach nicht mal mehr einer der Woche kommt bereits der nächste Eintrag. Ein Wahnsinn. Meine Mitbewohner habe ich ja schon einige Male erwähnt, seit Spring Break ist ein weiterer hinzugekommen. Er heißt Chris, ist bereits 36 und ein eher ruhiger Zeitgenosse. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass die mich mit Absicht hier in die Bude gesteckt haben. Hier leben die ganzen Erwachsenen - da pass ich bestens hin. :) Was ich bislang verschwiegen, bzw. nicht ausreichend erwähnt habe, ist unser fünfter "Mitbewohner". Sein Name: J-1 (sprich: Jay One), eigentlich Juan. Wyndle nennt ihn seinen Bruder, was allerdings nichts Besonderes ist, da er auch mich seinen Bruder, hier: "Bro", nennt. J-1 ist ein lustiger Mensch. Das erste Mal habe ich ihn an meinen dritten Morgen hier gesehen. Ich bin morgens leicht verschlafen ins Wohnzimmer marschiert, da lag er auf der Couch und schlief. Er hob kurz seinen Kopf, sagte etwas, das ich nicht verstand - und schlief weiter. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich J-1 morgens schlafend im Wohnzimmer antreffe. Niemand weiß genau, was J-1 eigentlich macht. Er sagt, dass seine Freundin hier in der Nähe wohnt, gesehen hat sie noch niemand, er geht gerne in die Bibliothek und gibt vor, zu studieren. Wenn man ihn fragt, was er studiert, muss er plötzlich weg. J-1 nennt mich liebevoll MarkyMarky und schreit das auch schon mal ganz gerne quer über den Campus. MaaaarkyMaaaaarky. Ich nenne ihn liebevoll - wie alle anderen - J-1, manchmal auch J-1-1. J-1 sagt, dass wir beste Freunde sind und er mich in Deutschland besucht. J-1 weiß allerdings nicht, wo Deutschland ist. J-1 glaubt, dass England in Paris liegt. Die Tatsache, dass man Menschen, die in Italien wohnen, Italiener nennt, war ihm neu. Er sagt, dass er gerne reist. Wenn man ihn fragt, wohin er schon gereist ist, sagt er: Chicago und Nashville. Das liegt hier quasi (für amerikanische Verhältnisse) umme Ecke. J-1 ist immer gut gelaunt, mittlerweile lacht er sich kaputt, wenn ich morgens ins Wohnzimmer komme und ihn wecke. Dies läuft meistens gleich ab: Ich öffne die Tür und sage zu ihm, dass er der faulste Mensch der Welt sei, woraufhin er mich nach der Uhrzeit fragt. Dann erzählt er mir, dass er schon wieder seine Klasse verpasst habe, "jaja" antworte ich immer und gehe zur Uni, während er wieder einschläft. So geht das Morgen für Morgen, Tag für Tag. Mittlerweile mache ich mir schon Sorgen, wenn er mal nicht auf unserer Couch schläft.

So sieht J-1 übrigens aus:




J-1 hat seit ein paar Tagen ein facebook-Profil und immerhin schon drei Freunde. Gestern hat er mir das erste Mal eine Nachricht geschrieben und mich abends gefragt, ob ich denn seine Nachricht bekommen habe. "Ja", sagte ich, "super". Die Nachricht war: "whaaaaaaaaaaaaaattzuuuuuup?" Danke fürs Gespräch. J-1 und ich reden gerne über den Unterschied zwischen Black&White. Er sagt, dass er alle Menschen möge und keine Vorurteile habe - genau wie ich. Der Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen bestehe nur darin, dass Weiße nicht tanzen können und Schwarzen die größeren Pimbomänner haben. Ich weiß nicht, ob er recht hat. Er wollte es mir beweisen, ich habe abgelehnt.
Eines meiner neusten Hobbies ist es, J-1 beim Schlafen zu fotofrafieren. Und dies ist meine (vorläufige) Ausbeute:

Die eingesprungene, doppelbeinige Sesselgrätsche bei Tageslicht:


Relaxen auf dem Autositz inklusive Kontrollgriff - Revolver startklar:


Oder auch mal mit roter Decke, Kappe in bester "Schwiegertochter gesucht"- Manier auf der Couchlehne trapiert, Schuhe ausgezogen:



Modell Bauchplatscher:



Es gibt zwei Dinge, mit denen ich J-1 extreeeem beeindrucken kann. Nummer eins: Bierflasche mit einem Feuerzeug öffnen. Er nennt es: "the ghettoway" Er wollte, dass ich es ihm beibringe. "teach me the ghettoway, MarkyMarky. " Ich habe es versucht - geht nicht. Nummer zwei: Rauchen und dabei Ringe machen. Er nennt es: "yeaaaaah, the ghettoway" Er wollte, dass ich es ihm beibringe. "teach me the ghettoway, MarkyMarky. " Ich habe es versucht - geht nicht. Letztes Wochenende haben J-1 und ich die Rollen, bzw, die Kleidung getauscht. Das sah so aus:

Er sollte gucken wie am ersten Schultag - hat er ganz gut geschafft:


Kommen wir zu anderen Dingen des Lebens, nämlich dem Alltag. Ein Thema liegt mir dabei ganz besonders am Herzen, über das ich schon die ganze Zeit berichten wollte. Nämlich: Mark und der Laundryroom - auf deutsch: Der Papa und die Waschküche. Zwei Wochen nach meiner Ankunft war es das erste Mal soweit. Die Unnerbuxen neigte sich dem Ende entgegen, Falschherum anziehen half auch nichts mehr, es war klar: Ich würde das erste Mal in meinem Leben eine Waschmaschine befüllen, starten und ausräumen müssen. Ich war nervös wie Hase vor Schlange. Dunkel zu dunkel, hell zu hell - soviel wusste ich. Aber wohin beispielsweise mit einem dunkelblau-weiß-gestreiften T-Shirt? Das ist ja sowohl dunkel als auch hell. Auf eine solche Situation war ich nicht vorbereitet worden. Und ab wann genau fängt dunkel an und wo hört hell auf. Ist rot schon dunkel? Gibt es eine sogenannte Grauzone, in der man frei entscheiden und dann beten kann. Wer weiß das schon...ich jedenfalls nicht. Und was kann in den Trockner, ohne dass es eingeht wie Marshmallows auf dem Grill. Ich besorgte mir professionelle, weibliche Hilfe, ich startete die Maschine, wartete 30 Minuten und tadaaaa, alles war sauber. Ich war stolz wie Oskar und wasche seitdem alleine - nichts ist eingegangen, einige dunkle Sachen haben manchmal komische helle Flecken, die man aber nach einiger Zeit nicht mehr sieht. Es läuft.

Das ist wie ein Stürmer im eigenen Strafraum - der hat da nix verloren:


So, und eine Sache noch. Ich war heute in der Uni, genauer: einer Vorlesung. In der Vorlesung ging es um Gruppenkommunikation und einheitliches, zielgerichtetes Denken innerhalb einer Gruppe. Wir sollten Beispiele bringen - hier in Amerika ist alles ein bisschen mehr auf Meinungen angelegt. "Was haltet ihr davon?" und "bringt doch mal Beispiele". Wir mussten Gruppen bilden und werden ständig aufgerufen. Unsere Gruppe besteht aus Andi, mir, einem Ami dessen Name ich nicht weiß, und Victoria. Victoria teilt uns gerne ihre Meinung mit, darüber sind wir froh, sie darf sich dann melden. Das aber nur am Rande.
Also, zurück zu heute...es ging um Beispiele für Gruppendenken. Was kommt einem Amerikaner als Erstes in denn Sinn? Richtig: die Nazis.  Jetzt kann man sich als Prof überlegen, wie man die Nazis als Bild in einer Powerpoint-Präsentation optisch vermittelt. Unsere Professorin hat sich für die, sagen wir, massive Variante entschieden. Ich hoffe, dass ich das Bild so veröffentlichen darf, naja...es ist nicht so, wie es aussieht, aber es sieht definitiv nicht nach Vorlesung aus. Ich hab erst geguckt wie ein Auto, dann gelacht und dann schnell ein Foto gemacht, ich Fuchs.

Muss ich jetzt schreiben, dass ich das nur wegen des Fotos veröffentliche und das nichts mit meiner politischen Weltanschauung zu tun hat? Ich weiß es nicht, ich bin ein bisschen nervös...aber trotzdem, hier ist das Foto:



Wenn ich gegen ein Gesetz verstoßen habe, lasst es mich wissen. :)
In diesem Sinne, hoffentlich bis demnächst.

Donnerstag, 18. März 2010

Die Mädchen haben perhaps Bier in den Brüsten

Zwei Wochen, geschätzte 37 Double-Cheeseburger und mindestens eine abgestorbene Hautschicht später, ist wieder Ruhe eingekehrt. Der Besuch aus Deutschland hat sich verabschiedet und suhlt sich vermutlich in diesem Moment in der Heimat im Schnee, in meinem Zimmer kann man wieder den Fußboden erkennen, die zweite Uni-Halbzeit hat begonnen. Alles beim Alten.

Die letzten 14 Tage hatten es allerdings in sich:

Am Samstag, den 27. Februar war es soweit: Benjamin C. und Daniel Kremer betraten um 18:20 Uhr memphisianischer Zeit amerikanischen Boden. Ich war pünktlich wie die freiwillige Taunussteiner Feuerwehr, um die beiden abzuholen. Ich hatte mir für die ersten Tage ein paar touristische Aktivitäten einfallen lassen. So besuchten wir direkt am ersten Abend ein Spiel der Memphis Tigers, gingen anschließend einen richtigen amerikanischen Burger essen, die beiden wurden bestens in unsere Family aufgenommen, wir tranken amerikansches Bier, besuchten Elvis in Graceland, alle waren glücklich.

Die deutschen Drei in Amerika:


Herrn C. war es vorbehalten, für den ersten richtigen Lacher der Woche zu sorgen. Wir wollten ein Auto mieten, ein kleines Auto, mit wenig Verbrauch und geradeso Platz für fünf Leute. Eben das Nötigste. Wir informierten uns im Internet und hatten nach einigen Versuchen einen Flitzer in der Nähe zu einem anständigen Preis gefunden. Benny wurde von Treewee abgeholt und zur Autovermietungsstelle gefahren. Kramer und ich warteten ungeduldig und gespannt auf die Rückkehr. Wir machten uns etwas Sorgen um seine Fahrkünste, weil hier alle Autos mit Automatik und die Straßen breiter und andere Verkehrsregeln und so weiter. Nach einer halben Stunde rollte dann Treewee in ihrem wirklich kleinen Auto auf den Parkplatz vor der Uni, gefolgt von einem Mega-Pickup. Mein erster Gedanke: Wo ist Benny? Mein zweiter Gedanke: Sag bitte nicht, dass er in diesem Truck sitzt und ihn fährt. Der dritte Gedanke: Ok, er sitzt in diesem Truck - er ist übergeschnappt. Er parkte mit einem breiten Grinsen vor uns ein und verlangte nach Zigaretten und einer Sonnenbrille. Er sei jetzt ein Trucker.

und so sah unser Baby aus:


und das ist der Trucker und seine Schwanzverlängerung:



Am Dienstagabend stand ein vorläufiges Highlight auf dem Programm: Die sagenumwobene "International Equipe" hatte das entscheidende Spiel um den Einzug in die Playoffs. Dazu muss man erklärend hinzufügen, dass Andi, G und ich zusammen mit ein paar Amis ein Team gegründet haben und an einer uni-internen Liga teilnehmen. Das Niveau ist vergleichbar mit Abstiegskampf Kreisliga C - nur ohne Fouls und dumme Sprüche. Also seeeeehr mäßig. Unser Torwart ist eigentlich Quarterback, er kann weit werfen, sagt er, das wars dann aber auch. Unser Captain hat weiße Fußballschuhe und einen echten Fußball von adidas, Ball stoppen allerdings Fehlanzeige und so zieht sich das durch das ganze Team.
Wir bereiteten uns dennoch gewissenhaft und ernsthaft auf unser großes Spiel vor und siegten am Ende gegen eine in Unterzahl spielende Mannschaft mit 5:1.
Als die müden Helden nach der gewonnen Schlacht zurück nach Hause kamen, wartete eine Überraschung der besonderen Art auf uns bzw. mich. Andi, G, Neil und ich hatten eine Woche zuvor den weiblichen Mitgliedern unserer Family einen kleinen und unbedeutenden Streich gespielt, der Beschimpfungen und die Androhung einer Racheaktion zur Folge hatte. Aus irgendeinem Grund wurde ich als Hauptverantwortlicher beschuldigt und so traf mich nun die volle Wucht der (gespielten) weiblichen Wut. Dummerweise hatte ich Treewee meinen Schlüssel gegeben, da sie ihren Laptop in meinem Appartment vergessen hatte. Ein folgenschwerer Fehler. Mein Zimmer sah nach der Rückkehr nämlich so aus:

Ergebnis der Kombination aus zu viel Zeit und ungenutzter Energie:


und das sind die Übeltäter, die sich aus irgendeinem Grund in schwarz gekleidet hatten:


Ich gelobte Besserung, alle vertrugen sich und die Family war wieder vereint (niemand war wirklich jemals böse) Mein Zimmer musste ich allerdings alleine aufräumen. Dieser Vorgang ist noch immer nicht ganz abgeschlossen. Alles zu seiner Zeit.
Am Tag vor unserer Abreise luden die drei germanischen Heronen zu einer Art Abschiedsparty in die Casa del Weide. Serviert wurden Burger nach Art des Hauses, genauer ach Art Wyndles, es gab Bier in rauhen Mengen und für ausgewählte Gäste auch mal ein Hütchen oder zwei. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht. Bis gegen drei Uhr die humorlosen R.A.s dem Ganzen ein jähes Ende bereiteten. Da wir gegen die "keine Besuche des anderen Geschlechts nach 24 Uhr"-Regel verstoßen hatten und außerdem drei Dezibel zu laut gewesen waren, mussten alle Gäste des schwachen Geschlechts ungehend abrücken. Warum Mr. Benny fluchtartig das Weite suchte, weiß niemand so genau. Er wurde aber nach einigen Minuten von Wyndle rauchend neben seinem Auto gefunden. Alles nahm ein gutes Ende.

und das ist die (fast) ganze Family:


und hier noch mal im Memphis-Style:



Am nächsten Morgen ging es dann los mit unserem Roadtrip: Die Strecke verlief von Memphis, Tennesse nach New Orleans, Louisiana (395 Miles - Fahrer: Benny - Beifahrer: Daniel (von Benny liebevoll "mein Assi" genannt)), von New Orleans nach Panama City Beach, FLORIDA (326 Miles - Fahrer: Benny - Beifahrer: sein Assi), von Panama nach Tampa, Florida (393 Miles - Fahrer: Kapitän Weidenfeller - Beifahrer: Benny, von mir Co-Pilot genannt) und von Tampa schließlich nach Miami, Florida (280 Miles - Fahrer: der Kapitän - Beifahrer: der Co-Pilot).

und das waren die Teilnehmer - alphabetisch sortiert:

Anders Andersen - lässt sich gerne vor Sehenswürdigkeiten fotografieren (hier ein schlafender Mensch, womöglich betrunken):


Benny C. - immer gut drauf und für jeden Spaß zu haben, hat aber ständig Halsweh:


Daniel Kremer - der Assi, hat eine Hausstaub-Milben-Allergie, die er für alles, aber auch wirklich für alles verantwortlich macht, hat eine besondere Beziehung zu Vögeln, schnarcht wie ein schwangeres Nilpferd:


Neil Turner - schläft gerne und vor allem immer, vergisst seine Kamera zu Hause, alles andere als entscheidungsfreudig:


Mark Weidenfeller - der Vernunftsmensch:


und ab Tampa: Julia - Andis Freundin, eingeschrieben an der schönsten Uni der Welt:


1. Station - New Orleans: Die Stadt des diesjährigen Superbowl-Gewinners, die vor ein paar Jahren dank Hurrikan Katrina noch meterhoch unter Wasser stand, erreichten wir am späten Donnerstagabend. Benny und sein Assi hatten ganze Arbeit geleisten, das Hostel war einladend, die Betten schnell bezogen (außer meins - das geht ja auch mal sooo), das Wetter roch nach Frühling. Wir legten einen wunderbaren Touri-Tag ein, mit Kaffee und komischem französischen Gebäck in einem weltberühmten Café, von dem vorher noch niemand etwas gehört hatte und in dem es tatsächlich nichts anderes gab als Kaffee und komisches französisches Gebäck mit viel zu viel Puderzucker. Da Neil am Morgen festgestellt hatte, dass er neben seiner Kamera auch seine Zahnbürste zu Hause vergessen hatte, peilten wir eine Mall an, die sich dann als Casino im Vegas-Format rausstellte. Andi gewann 17 Dollar, Benny versuchte sich am einarmigen Bandidaten, dieser konnte ihn allerdings nicht leiden, ich investierte zehn Dollar in Kramers BlackJack-Künste, warum genau weiß ich auch nicht - er gewann aber jedenfalls und so verließ ich den Laden ebenfalls mit einem Plus in der Tasche, Neil hatte eine Toilette gefunden, die Zahnbürste musste noch ein bisschen warten. Die restlichen Stunden des Tages verbrachten wir im sogenannten French Quarter, überall Bands und Künstler, das Wetter war erstmals zum Heldenzeugen, man durfte Bier auf der Straße trinken. Touri-Herz, was willst du mehr?! 
Achja, Kramer und die Vögel. An diesem Nachmittag war er das erste Mal so weit: Während einer kurzen Pause in einem kleinen Park zischte es plötzlich von rechts, Herr Kremer wollte seinem Unbehagen Ausdruck verleihen, fand aber nicht die richtigen Worte und deutete dann auf seinen Arm. Ein New Orleanischer Vogel hatte sich exakt über ihm erleichtert.

Ein Zeichen von Glück?! - im Hintergrund: die pure Freude:


Benny C. klagte übrigens das bereits das zweite Mal während seines kurzen USA-Aufenthalts über Halsschmerzen, glücklicherweise fanden wir einen kleinen Supermarkt mit einer bestens gelaunten Kassiererin, die kurzzeitig sogar mal lächelte und wir fanden Medizin gegen sein Leiden - Marlboro Light BigPack. Jawoll! Und dann hallo gib ihm und das rote Pferd. Wir sind ja im Urlaub. Randnotiz: Neil kaufte sich eine Zahnbürste. Herzlichen Glückwunsch.

Und hier die fröhlichen Fünf in New Orleans:


2. Station - Panama City, FLORIDA: Am  frühen, und für Neil deutlich zu frühen, Samstagmorgen machten wir uns auf in Richtung Panama City. Wohlgemerkt: dem Panama City in Florida. Aufgrund der kleineren Probleme bei der Buchung galt es noch ein kleines Hindernis zu nehmen, das wir aber aufgrund unserer wahnsinnigen Cleverness als nicht wirklich ernsthaft wahrnahmen: Wir hatten nur vier Betten gebucht - für fünf Mann. Wedd schoo weern war die Devise. Vier Mann sollten einchecken und den Fünften kriegt man schon irgendwie rein, wir sind ja es alle aus Europa und für Amerikaner sowieso nicht zu unterscheiden. Soweit der Plan. Der Dämpfer folgte allerdings auf dem Fuß. Das Hotel kam einer Sicherheitshochburg gleich. Beim Einchecken wurden Fotos gemacht, jeder bekam ein Armband zur Identifizierung ausgehändigt und 300$ Kaution musste auch noch gezahlt werden. Da ich als derjenige auserkoren worden war, der vor der Tür warten und zur gegeben Zeit ins Zimmer rennen sollte, hatte ich also ein Problem. Wir beratschlagten uns im ortsansässigen Hooters beim Abendessen, hier: Dinner, was zu tun war. Zimmer in einem anderen Hostel - doof, weil alleine, im Internet ein neues Zimmer im selben Hotel buchen - viel zu teuer, dennoch versuchen, mich reinzuschmuggel (ich bin ja ziemlich dünn und unscheinbar, und außerdem extrem vernünftig) - zu riskant, eine Ausrede suchen und fragen, ob ich doch noch irgendwie ins Zimmer kann, wohl die einzige Möglichkeit, aber ebenfalls riskant. Was tun bei Absage? Auf den Boden werfen, weinen und mit den Fäusten die Rezeption bearbeiten? Wir mussten also improvisieren. Ich ließ mir die geradezu hanebüchene Geschichte einfallen, dass ich ein Hostel in Panama City, Panama und nicht in Panama City, Florida gebucht hatte und jetzt hier hängen würde wie Jesus an Karfreitag und überhaupt total aufgeschmissen sei alleine...naja. Wie genau ich auf diese Geschichte kam, weiß ich auch nicht, es hat aber glücklicherweise geklappt und ich durfte mit ins Zimmer - für nur 20$ mehr. Wenn das mal kein Service ist - und das war mein Bett:

Klein, aber fein:


Panama ist dann tatsächlich so, wie man sich Spring Break vorstellt. Der Strand ist voll von Studenten - oder Leuten, die vorgeben Student zu sein, die schlechtes amerikanisches Bier trinken, schlechte amerikanische Musik hören und abends in einer der Mega-XXL-Wahnsinns-Diskos zur gleichen schlechten Musik dasselbe Bier trinken und das eine Woche oder länger am Stück. Wir haben zwei Tage mitgemacht, dann war das Bier zu schlecht und die Musik auch. So sieht das da aus:

kann man mögen, muss man aber nicht:


Achja, Herr Kramer und die Vögel: Die beiden übermotivierten deutschen Touristen Benny/Kremer hatten sich am zweiten Morgen zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt Richtung Strand und an selbigem entlang aufgemacht. Dabei war es dann zum zweiten Mal soweit. Eine Möve hatte sich den schmalbrüstigen Kremerkörper als Ziel zur Ausscheidung ihrer Exkremente ausgesucht und...was soll man sagen: Treffer, versenkt! Kramer, dieses Glücksschwein.
Am dritten Tag unseres Aufenthalts in Panama beschlossen wir, eine kleine Änderung in unserer Reiseplanung vorzunehmen. Wir wollten in Richtung Tampa nicht erst morgens aufbrechen, sondern die Nacht durchfahren, um dort zwei volle Tage verleben zu können. Der Aufbruch war gegen 22 Uhr geplant, um 17 uhr versammelten wir uns im Hotelzimmer, um zu packen, ich wollte einen kleinen Powernap einlegen, da ich der nächste Fahrer war und somit nicht mit viel Schlaf zu rechnen hatte. Alle waren soweit startklar, bis auf Neil, irgendwas schien ihn zu jucken. Wir erfuhren nach kurzer Wartezeit, dass einer seiner Freunde aus Memphis auch in Panama sei und er überlege, ihn zu treffen. "Kein Problem", sagten wir, "mach dich auf die Socken, wir holen dich später ab." "Ok, ich denk drüber nach", war die Antwort. Ok, dachte ich, dann denk mal nach. Ungefähr eine halbe Stunde später - ich kümmerte mich nicht wirklich um das Vorhaben unseres leicht verwirrten schottischen Freundes - hakte Andi dann noch mal nach: "Neil, sag mal, wolltest du nicht deinen Freund treffen? Wie wärs denn mal mit Kofferpacken, duschen und dann Beine in die Hand und ab an Strand?" - "Aja, gute Idee", war die Antwort und der kleine Körper machte sich langsam auf den Weg durch das Zimmer, um die überall verteilten Klamotten in seinen Koffer zu werfen. Die ganze Aktion dauerte etwa zehn Minuten, dann lag Neil wieder im Bett. "Äh Neil, ich dachte du willst deinen Freund treffen?" - "Ja, ich denke drüber nach" So langsam machte ich mir ernsthafte Gedanken, war das letzte Bier schlecht, hatte er sich in den Fernseher verliebt, was ist denn los? Ene weitere halbe Stunde später, Benny und ich machten uns schon langsam auf den Weg in Richtung Flughafen, um das Auto abzuholen, saß der kleine Hobbit immer noch auf seinem Bett. "Neil, Freund, treffen", ich versuchte es mit der Babysprachen-Methode, nur die wichtigsten Wörter und keine vollständigen Sätze. "Ja, ich warte noch auf eine Antwort auf meine SMS" "Hast du mal daran gedacht, anzurufen?", mischte sich Andi ein. "Ach nee, gute Idee, das mach ich." - "und, triffst du ihn noch?" fragte ich. "Ich weiß nicht, ich denk drüber nach" Häää? Na gut. Benny und ich verabschiedeten uns in Richtung Flughafen (ganz so schnell ging das nicht, da man ein Taxi in Panama erst nach gut einer Stunde bekommt, wenn man es anruft - ich kürze jetzt aber ab). Am Flughafen erstanden bzw. mieteten wir einen richtig vernünftigen Familien-Minivan, ich war der Kapitän, Benny mein Co-Pilot, wir siezten uns und verfuhren uns auf dem Weg zurück ins Hotel nur einmal ganz kurz. Als wir im Hotelzimmer angekommen waren, es war mittlerweile 22 Uhr saß Neil immer noch auf dem Bett. "Und, Neil, wie schauts?" fragte ich mit einem Grinsen. "Ich denke, ich treff ihn nicht mehr". Hey, das war fast eine Entscheidung. Wir machten uns also auf den Weg in Richtung Tampa. Neil dachte sogar an seine Zahnbürste, mein Co-Pilot versprach wach zu bleiben und sich die ganze Nacht mit mir zu unterhalten. Na das konnte ja heiter werden.

Dieses Vorhaben hielt allerdings nur bis Ortsschild Panama, dann sah das so aus. Mein Co-Pilot...:


3. Station - Tampa/ St.Petersburg: In Tampa bzw. St. Petersburg (das ist sozusagen umme Ecke) kamen wir Mittwochmorgen gegen 4:30 Uhr an. Der Papa war die ganze Nacht gefahren, während die Kinder fröhlich um die Wette geschnarcht hatten. Da wir erst später im Hotel einchecken konnten und Andi seine Freundin, die in St. Petersburg studiert (ein absolutes Unding - Uni mit eigenem Strand und vor der Tür kann man mal eben Delfine beobachten - dazu später mehr) nicht um diese Uhrzeit wecken wollte, parkten wir am Strand und schliefen noch eine Runde. Benny, Andi, Neil und ich im Auto - der von seiner Hausstauballergie geplagte Daniel verkrümmelte sich Richtung Strand. Da ich nicht wirklich schlafen konnte, machte ich mich nach einer Stunde auf die Suche nach ihm. Diese Suche gestaltete sich nicht sehr schwierig, da man schon von Weitem ein lautes Schnarchen vernehmen konnte. Es gab also zwei Möglichkeiten: Entweder war ein Blauwal gestrandet oder an diesem Strand gab es Hausstaub und Milben, die ja für das Schnarchen verwantwortlich sind. Als ich am Strand ankam, war mir klar: Dieser Strand muss extreeeem staubig sein.

und so lag er da, der Eskimo (ich spare an dieser Stelle ein weiteres Detail aus, kostet ein Bier. :) )
von der Ferne - Schnarchen deutlich zu vernehmen:


aus der Nähe:


Nachdem alle einigermaßen geschlafen hatten, fuhren wir in Richtung Uni, die wie bereits gesagt, den unfassbarsten (ich hoffe, es gibt dieses Wort) Campus der Welt hat, den ich bislang gesehen habe. Wir lieferten Andi ab und fuhren zu einem anderen Strand, um ins Meer zu springen, in der Sonne zu schlafen und uns einen 1A-Sonnenbrand abzuholen. Gegen Mittag trafen wir uns wieder auf dem Campus, um Kajak zu fahren (das wird da mal eben so nebenher angeboten, neben Wakeboarding, Segeln und anderen lebensnotwendigen Dingen). Ich kenterte nach zwei Minuten das erste Mal, was Neil so sehr erfreute, dass er ebenfalls Bekanntschaft mit dem Wasser machte. Der Unterschied zwischen uns beiden allerdings war, dass ich relativ schnell wieder im Kajak saß, während unser ungeschickter schottischer Freund einige Minuten zu kämpfen hatte, ehe er druch eine Motorboot-Welle erneut aus dem Gleichgewicht gebracht wurde und aufgab. "Hat trotzdem Spaß gemacht", ließ er verlauten. Ja genau, dabei sein ist alles. Ich machte mich unterdessen auf die Verfolgung der schon weit am Horizont enteilten anderen Vier. Uns wurde vorher berichtet, dass es in der Bucht Delifne und auch ab und zu Haie gäbe. Wir waren dementsprechend gespannt wie die Flitzebogen und hielten Ausschau. Ich paddelte fröhlich vor mich her, als Herrn Benny plötzlich alle Gesichtszüge entglitten. "Ein Haaaaaai, ein Haaaaai, ohne Scheiß, ich verarsch euch nicht, ein Haaaai, aaaah." Er meinte es wirklich ernst, wir drehten uns augenblicklich um und sahen...die Flosse eines Delfins. Es war also alles im Lot und Flipper war in unserer Nähe. Nichts konnte schiefgehen, Benny atmete sichtlich durch. Zurück an Land und nach einer Dusche, stärkten wir uns in der Mensa der Uni. Das Essen ist für die Studenten (die allerdings mal eben schlappe 20.000$ Studiengebühr pro Semester hinlegen) umsonst. Es gibt dreimal am Tag Buffett vom Allerfeinsten. Und sogar Eis. Von Benny und Daniel liebevoll "Eisje" genannt.

Die Kajak-Crew:


Gib den Kindern ein Eis, und sie sind glücklich:


Da Florida am nächsten Tag von Stürmen und Regen heimgesucht wurde, legten wir eine kleine Shopping-Tour ein, das gehört ja dazu in Amerika. Wir deckten uns kräftig mit Klamotten ein, der vorgesehene Besuch des Yankees-Spiels am Abend fiel leider buchstäblich ins Wasser, dafür fanden wir eine Bar mit Bier für 1$, Neil ließ seine Flirt-Künste spielen - mit, sagen wir, mäßigem Erfolg. Der McDonald's Drive Thru freute sich über eine Mega-Bestellung (sieben Double-Cheese-Burger, vier McRib und einen BigMac), der Aufenthalt in Tampa war ein voller Erfolg.
Achja, fast hätte ichs vergessen: Kramer im Glück, Teil drei. Es war wohl wieder eine Möve, dieses Mal war der Rücken das Ziel - definitiv erneut ein Volltreffer.

Rücken rot-weiß:


4. Station - Miami: Willkommen in der Stadt der Poser. Unser Hostel lag zentral am South Beach, unweit entfernt vom bekannten Ocean Drive. Der Ocean Drive ist der Ort zum Sehen und Gesehen werden. Nur dicke Autos, alle mit lauter (schlechter) Musik und immer Stau - zumindest abends, aber definitiv sehenswert. Wir verlebten einen weiteren Touri-Tag ehe sich der Nicht-Deutsche Teil unserer Gruppe zurück in Richtung Memphis und Tampa machte. Das deutsche Trio mietete sich am letzten Tag noch mal ein Auto, um zu den Krokodilen im berühmten Everglades-Nationalpark zu fahren. Wir übten vorher fließig Krokodil und Alligatoren-Imitationen, um uns auch in der Landessprache unterhalten zu können. Benny, der mal wieder Halsschmerzen hatte, war der Fahrer, ich rekelte mich auf der Rückbank und hielt nach Vögeln Ausschau, die unserm Glückpilz gefährlich werden könnten, Kramer programmierte das GPS und gab genaue Anweiseung wie "da vorne rechts, ach nee links, zu spät, dreh mal irgendwo". Bei den Everglades angekommen, sahen wir auch direkt zwei Krokodile im "Empfangssumpf". Wir stellten die Theorie auf, dass die beiden dort auf irgendeine Art und Weise geparkt wurden. Wenn ich im Mai zurück bin in Miami, werde ich das defnitiv überprüfen. Wir machten eine Bootstour durch den Sumpf, unser Bootführer spulte seine Standard-Witze ab und wurde auch nicht müde darin zu fragen, ob wir den alle gut draaaaaaaaaaaaauf seien. Das waren wir, aber man muss ja nicht mitten im Sumpf anfangen zu schreien, wenn man hofft, Alligatoren in freier Wildbahn zu sehen. Das sah er anders, Alligatoren sahen wir trotzdem und am End machten wir sogar noch ein Foto mit Snappy.

Wie macht das Krokodil?


Auf der Rückfahrt nach Miami gönnten wir uns jeder zwei Whopper zum unschlagbaren Preis von drei Dollar, am Abend besuchten wir noch ein Spiel der Miami Heat - auch Dwyane Wade Show genannt, ehe wir uns vorm Schlafengehen noch einmal mit jeweils zwei Whopper stärkten.
Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege. Ich: Memphis, Benny/ Kramer: Frankfurt.

Bis bald ihr Nasen.