Ihr liebe Leut,
bevor hier die ganz großen Feste anstehen, will ich noch einen schnellen Überblick über den Verlauf der Dinge verschaffen. Die Planungen für die anstehenden Tage laufen auf Hochtouren. Am Samstag erwarte ich den ersten Besuch aus der Heimat. Das Duo Kramer-Crisolli bittet zum Tanz und wird hoffentlich pünktlich um 18:20 memphisianischer Zeit amerikanischen Boden betreten. Das Touri-Programm für die Tage in Memphis ist bereits aufgestellt und dann heißt es ab Donnerstag: Spring Break. Was genau uns erwartet, weiß keiner, wir freuen uns aber alle diebisch und sind gespannt wie eine Horde Flitzebogen. Der Plan sieht vor, dass das German-Duo, Neil, Andi und ich zu einem kleinen Roadtrip in Richtung Florida aufbrechen werden. Die genauen Ziele: New Orleans, Panama City Beach, Tampa und Miami. Die Reiseleiter: Andi und ich. Die verantwortlichen Hostel-Bucher: Ebenfalls Andi und ich. Unseren Pflichten sind wir - in weiser Voraussicht - frühzeitig nachgegangen und stellten dabei fest, dass wir beide wohl nicht die ganz großen Talente in Sachen Dokumente sortieren und Übersicht behalten sind. Die Hostels buchten wir dennoch - unserer Meinung nach - ohne Probleme. Alles schien zu laufen. Da wir die ganze Strecke mit dem Auto bewältigen werden, wollte ich vor ein paar Tagen die Länge der einzelnen Abschnitte mittels google.maps ermitteln. Die Adressen der Hostels hatte ich ja. Strecke Memphis - New Orleans sechs Stunden, kein Problem. Strecke New Orleans - Panama City konnte erst nicht berechnet werden, dann wurde etwas von mehr als 3000km angezeigt und die Route verlief Richtung Mexiko. Ich begann mich zu wundern. Also schnell noch mal die Homepage des Hostels gecheckt. Seltsam, dass das meiste auf Spanisch geschrieben war...und die Preise waren verdammt billig für Spring Break - 12$ die Nacht...und dann dämmerte es mir: Das Hostel war nicht in Panama City, Florida, sondern in Panama City, Panama. Wir hatten uns mal eben im Land geirrt. Gut, das kann in der Eile ja mal passieren. Nachdem ich Andi von unserem Missgeschick berichtet hatte, versuchten wir zunächst, unseren Fehler zu vertuschen und einfach schnell ein anderes Hostel im richtigen Ort zu buchen. G hatte aber von der Sache Wind bekommen und so waren wir schnell den Hämen der restlichen, neunmalklugen Besserwisser, auch Freunde genannt, ausgesetzt.
Wir ertrugen es aber mit Fassung und bügelten unseren Fehler aus - die Reise kann also losgehen!
knapp vorbei ist auch daneben:
knapp vorbei ist auch daneben:
Ein Highlight, über das ich bislang noch nicht berichtet habe, ist das Superbowl-Finale. In den Tagen vor diesem Spiel sprach jeder nur über das Spiel, jeder war plötzlich Fan einer Mannschaft und American Football ist sowieso total supi. Man müsse aben auf die Taktik achten. Ja genau...Kloppomat auf Amerikanisch, oder was? Ich blieb skeptisch, freute mich aber natürlich dennoch auf das Spiel. Andi und ich waren von einem Ami aus einem unserer Kurse, dessen Namen wir leider beide vergessen haben - mittlerweile trauen wir uns allerdings nicht mehr nachzufragen - zu seiner Party eingeladen worden. G und Neil waren auch mit im Gepäck, Jonathan - er ist Hiwi oder sowas, fährt die größte Schrottkarre der Welt, kutschiert uns aber gerne rum, sollte fahren. Leider brachte es aber eben jener Jonathan fertig, seinen Autoschlüssel im Türschloss so geschickt abzubrechen, dass er stecken blieb und nicht mehr zu bewegen war. Das Auto blieb demnach stehen, ein Taxi war nicht mehr zu bestellen, weil Superbowl und alle auf den Beinen. Wir mussten uns also für Plan B entscheiden und das Spiel in einer der Fraternitys gucken - auf diese Party waren wir ebenfalls eingeladen. Man kommt sich manchmal vor, wie It-Girls. Es ist irgendwie schick, International Studis auf seiner Party zu haben. Das Frat-Haus erreichten wir ohne Probleme und das Spiel ging wenige Minuten später auch schon los.
So sah das (anfangs) aus:
Überraschend war, dass das Spiel nicht wirklich im Mittelpunkt stand, sondern eher als Randattraktion nebenher lief. Das Bierfass im Hof und das Beerpong-Turnier im Nebenzimmer konnten deutlich mehr Fans verbuchen. Ich sah mir die ersten Minuten, die extrem von Taktik geprägt zu sein schienen, an und entschied mich dann kurzerhand, doch lieber dem Bierfass einen Besuch abzustatten. Und dann Beerpong.
An dieser Stelle sollte ich wohl kurz Beerpong erklären. Dieses Spiel wird hier auf jeder Party gespielt. Es ist ein Mischung aus Kegeln und Basketball und das Ziel ist es, Bier zu trinken. Klingt einfach, ist es eigentlich auch. Man wirft mit einem Tischtennisball in Richtung der aufgestellten (und immer roten!) und mit Bier gefüllten Plastikbecher des Gegners. Trifft man einen der Becher, muss der Gegner trinken. Ich muss dazu sagen, dass ich jetzt nicht der gaaaanz große Fan bin, da es nicht wirklich kommunikativ ist und es einige irgendwie sehr ernst nehmen, ich weiß auch nicht.
So sieht es jedenfall aus:
mir waren in der Zwischenzeit Hände auf den Schultern gewachsen:
Ich spielte einmal, verlor direkt und war ausgeschieden. Machte aber nix, das Bierfass im Hof war ja noch voll und es sollte sogar noch ein Ersatzfass geben. Na siehste. Das Spiel interessierte wirklich so gut wie niemanden mehr.
außer sie:
Der Abend verlief dennoch extrem lustig und lang. Am nächsten Morgen kam Gott sei Dank der Schnee, davon habe ich ja schon erzählt. Achja, die Saints haben gewonnen - vermutlich die richtige Taktik gewählt.
Heut standen dann gleich zwei (passiv-)sportliche Highlights auf dem Programm: Nämlich Champions League gucken um 13:45Uhr und Grizzlies vs. Lakers die Zweite um 19Uhr - Downtown. Aufgrund der verschiedenen Nationalitäten und Interessen läuft Fußball schauen hier etwas anders ab. Die geballte Prominenz versammelte sich gegen 13Uhr im Hause Andersen/G, um ein gemeinsames Mahl zu zaubern. Heute: Tortillas auf europäisch mit Ketchup und scharf.
Dies sah folgendermaßen aus:
Danach wurden die Laptops bereitgestellt und nach Interessen sortiert. Links: Bordeaux für G, in der Mitte: Stuttgart für mich, rechts: ManU (warum die auch gespielt haben, weiß ich nicht genau) für Andi. Neil durfte sich aussuchen, was er sehen will. Den Kommentar durfte der einstellen, der als Erstes einen funktionierenden Stream vorzuweisen hatte. Das war ich - und so lauschten wir 90 Minuten lang der ebenso bekannten wie ungeliebten Stimme von Marcel Reif. Kann man seinen Dienstagnachmittag angenehmer gestalten? Ich glaube nicht.
Am Abend stand dann das Grizzlies-Spiel auf dem Plan. Ich hatte zwei Freikarten besorgt (Stichwort: man kennt sich), Andi musste sich deswegen um den Hin- und Rückweg kümmern. Ihr merkt: Das ist hier alles ein Geben und Nehmen. Fast wie in der guten alten Casa del Weide-WG. Es gibt kein ich, mein, mir - es gibt nur: WIR und UNSER. Aha! Man lernt fürs Leben. Der Gegner hieß zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit -warum auch immer - L.A. Lakers, die Bude war ausverkauft. Leider erzielte Kobe Bryant vier Sekunden vor Schluss beim Stande von 98:96 für UNS, also Memphis, einen Dreier für die anderen, also L.A., und somit hieß es am Ende 98:99. Naja, wir sind trotzdem: "proud to be a grizz".
Damit ihr wisst, wie groß diese Basketballer so sind, dieses Foto - es sieht irgendwie aus, als würde mir ein Zahn fehlen. Komisch.
So, da die nächsten Tage wohl etwas unruhiger werden und der Papa dann erstmal in Florida in der Sonne ist, kommt der nächste Blog wohl erst in zwei Wochen, dann aber mit Karacho. Bis dahin. Have a good one.


































