Dienstag, 23. Februar 2010

Oh wie schön ist Panama

Ihr liebe Leut,
bevor hier die ganz großen Feste anstehen, will ich noch einen schnellen Überblick über den Verlauf der Dinge verschaffen. Die Planungen für die anstehenden Tage laufen auf Hochtouren. Am Samstag erwarte ich den ersten Besuch aus der Heimat. Das Duo Kramer-Crisolli bittet zum Tanz und wird hoffentlich pünktlich um 18:20 memphisianischer Zeit amerikanischen Boden betreten. Das Touri-Programm für die Tage in Memphis ist bereits aufgestellt und dann heißt es ab Donnerstag: Spring Break. Was genau uns erwartet, weiß keiner, wir freuen uns aber alle diebisch und sind gespannt wie eine Horde Flitzebogen. Der Plan sieht vor, dass das German-Duo, Neil, Andi und ich zu einem kleinen Roadtrip in Richtung Florida aufbrechen werden. Die genauen Ziele: New Orleans, Panama City Beach, Tampa und Miami. Die Reiseleiter: Andi und ich. Die verantwortlichen Hostel-Bucher: Ebenfalls Andi und ich. Unseren Pflichten sind wir - in weiser Voraussicht - frühzeitig nachgegangen und stellten dabei fest, dass wir beide wohl nicht die ganz großen Talente in Sachen Dokumente sortieren und Übersicht behalten sind. Die Hostels buchten wir dennoch - unserer Meinung nach - ohne Probleme. Alles schien zu laufen. Da wir die ganze Strecke mit dem Auto bewältigen werden, wollte ich vor ein paar Tagen die Länge der einzelnen Abschnitte mittels google.maps ermitteln. Die Adressen der Hostels hatte ich ja. Strecke Memphis - New Orleans sechs Stunden, kein Problem. Strecke New Orleans - Panama City konnte erst nicht berechnet werden, dann wurde etwas von mehr als 3000km angezeigt und die Route verlief Richtung Mexiko. Ich begann mich zu wundern. Also schnell noch mal die Homepage des Hostels gecheckt. Seltsam, dass das meiste auf Spanisch geschrieben war...und die Preise waren verdammt billig für Spring Break - 12$ die Nacht...und dann dämmerte es mir: Das Hostel war nicht in Panama City, Florida, sondern in Panama City, Panama. Wir hatten uns mal eben im Land geirrt. Gut, das kann in der Eile ja mal passieren. Nachdem ich Andi von unserem Missgeschick berichtet hatte, versuchten wir zunächst, unseren Fehler zu vertuschen und einfach schnell ein anderes Hostel im richtigen Ort zu buchen. G hatte aber von der Sache Wind bekommen und so waren wir schnell den Hämen der restlichen, neunmalklugen Besserwisser, auch Freunde genannt, ausgesetzt.
Wir ertrugen es aber mit Fassung und bügelten unseren Fehler aus - die Reise kann also losgehen!

knapp vorbei ist auch daneben:


Ein Highlight, über das ich bislang noch nicht berichtet habe, ist das Superbowl-Finale. In den Tagen vor diesem Spiel sprach jeder nur über das Spiel, jeder war plötzlich Fan einer Mannschaft und American Football ist sowieso total supi. Man müsse aben auf die Taktik achten. Ja genau...Kloppomat auf Amerikanisch, oder was? Ich blieb skeptisch, freute mich aber natürlich dennoch auf das Spiel. Andi und ich waren von einem Ami aus einem unserer Kurse, dessen Namen wir leider beide vergessen haben - mittlerweile trauen wir uns allerdings nicht mehr nachzufragen - zu seiner Party eingeladen worden. G und Neil waren auch mit im Gepäck, Jonathan - er ist Hiwi oder sowas, fährt die größte Schrottkarre der Welt, kutschiert uns aber gerne rum, sollte fahren. Leider brachte es aber eben jener Jonathan fertig, seinen Autoschlüssel im Türschloss so geschickt abzubrechen, dass er stecken blieb und nicht mehr zu bewegen war. Das Auto blieb demnach stehen, ein Taxi war nicht mehr zu bestellen, weil Superbowl und alle auf den Beinen. Wir mussten uns also für Plan B entscheiden und das Spiel in einer der Fraternitys gucken - auf diese Party waren wir ebenfalls eingeladen. Man kommt sich manchmal vor, wie It-Girls. Es ist irgendwie schick, International Studis auf seiner Party zu haben. Das Frat-Haus erreichten wir ohne Probleme und das Spiel ging wenige Minuten später auch schon los.

So sah das (anfangs) aus:


Überraschend war, dass das Spiel nicht wirklich im Mittelpunkt stand, sondern eher als Randattraktion nebenher lief. Das Bierfass im Hof und das Beerpong-Turnier im Nebenzimmer konnten deutlich mehr Fans verbuchen. Ich sah mir die ersten Minuten, die extrem von Taktik geprägt zu sein schienen, an und entschied mich dann kurzerhand, doch lieber dem Bierfass einen Besuch abzustatten. Und dann Beerpong.
An dieser Stelle sollte ich wohl kurz Beerpong erklären. Dieses Spiel wird hier auf jeder Party gespielt. Es ist ein Mischung aus Kegeln und Basketball und das Ziel ist es, Bier zu trinken. Klingt einfach, ist es eigentlich auch. Man wirft mit einem Tischtennisball in Richtung der aufgestellten (und immer roten!) und mit Bier gefüllten Plastikbecher des Gegners. Trifft man einen der Becher, muss der Gegner trinken. Ich muss dazu sagen, dass ich jetzt nicht der gaaaanz große Fan bin, da es nicht wirklich kommunikativ ist und es einige irgendwie sehr ernst nehmen, ich weiß auch nicht. 

So sieht es jedenfall aus:


mir waren in der Zwischenzeit Hände auf den Schultern gewachsen:


Ich spielte einmal, verlor direkt und war ausgeschieden. Machte aber nix, das Bierfass im Hof war ja noch voll und es sollte sogar noch ein Ersatzfass geben. Na siehste. Das Spiel interessierte wirklich so gut wie niemanden mehr.

außer sie:


Der Abend verlief dennoch extrem lustig und lang. Am nächsten Morgen kam Gott sei Dank der Schnee, davon habe ich ja schon erzählt. Achja, die Saints haben gewonnen - vermutlich die richtige Taktik gewählt.

Heut standen dann gleich zwei (passiv-)sportliche Highlights auf dem Programm: Nämlich Champions League gucken um 13:45Uhr und Grizzlies vs. Lakers die Zweite um 19Uhr - Downtown. Aufgrund der verschiedenen Nationalitäten und Interessen läuft Fußball schauen hier etwas anders ab. Die geballte Prominenz versammelte sich gegen 13Uhr im Hause Andersen/G, um ein gemeinsames Mahl zu zaubern. Heute: Tortillas auf europäisch mit Ketchup und scharf.

Dies sah folgendermaßen aus:



Danach wurden die Laptops bereitgestellt und nach Interessen sortiert. Links: Bordeaux für G, in der Mitte: Stuttgart für mich, rechts: ManU (warum die auch gespielt haben, weiß ich nicht genau) für Andi. Neil durfte sich aussuchen, was er sehen will. Den Kommentar durfte der einstellen, der als Erstes einen funktionierenden Stream vorzuweisen hatte. Das war ich - und so lauschten wir 90 Minuten lang der ebenso bekannten wie ungeliebten Stimme von Marcel Reif. Kann man seinen Dienstagnachmittag angenehmer gestalten? Ich glaube nicht.



Am Abend stand dann das Grizzlies-Spiel auf dem Plan. Ich hatte zwei Freikarten besorgt (Stichwort: man kennt sich), Andi musste sich deswegen um den Hin- und Rückweg kümmern. Ihr merkt: Das ist hier alles ein Geben und Nehmen. Fast wie in der guten alten Casa del Weide-WG. Es gibt kein ich, mein, mir - es gibt nur: WIR und UNSER. Aha! Man lernt fürs Leben. Der Gegner hieß zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit -warum auch immer - L.A. Lakers, die Bude war ausverkauft. Leider erzielte Kobe Bryant vier Sekunden vor Schluss beim Stande von 98:96 für UNS, also Memphis, einen Dreier für die anderen, also L.A., und somit hieß es am Ende 98:99. Naja, wir sind trotzdem: "proud to be a grizz".

Damit ihr wisst, wie groß diese Basketballer so sind, dieses Foto - es sieht irgendwie aus, als würde mir ein Zahn fehlen. Komisch.


So, da die nächsten Tage wohl etwas unruhiger werden und der Papa dann erstmal in Florida in der Sonne ist, kommt der nächste Blog wohl erst in zwei Wochen, dann aber mit Karacho. Bis dahin. Have a good one.

Dienstag, 16. Februar 2010

Jawohl, Herr Kommissar

Während in Deutschland die Narren ihr Unwesen trieben, stand bei mir der erste Roadtrip auf dem Programm. Das Ziel: Dallas, Texas. Der Grund: Das Allstar-Game. Die Teilnehmer: Andi, G und ich (mit Tickets) - Neil, Trine, Tiphaine und Kahina (ohne Tickets). Vor allem Neil sollte diese Konstellation und das Sparen an falscher Stelle noch bereuen. Dazu später mehr. Das Hostel hatten wir rechtzeitig gebucht, das Auto reserviert und das Taxi frühzeitig bestellt, um direkt nach Unischluss am Freitag aufzubrechen. Wir versammelten uns zu abgesprochener Zeit am Kiosk, alles war, wie geplant. Nur die eitlen Französinnen ließen eine halbe Stunde auf sich warten, um dann freudestrahlend mit einem Koffer (wohlgemerkt für drei Tage) um die Ecke zu kommen. Nachdem jeder einen dummen Spruch über Franzosen, Frauen und die Kombination von beidem losgeworden war, ging es mit dem Taxi in Richtung Flughafen, wo wir unseren Van abholten. Da Andi und ich die Einzigen über 21 sind, die einen Füherschein besitzen, blieb der Job des Fahrers an uns hängen. Für die Entfernung von 700km von Memphis nach Dallas hatten wir sieben Stunden berechnend, die kleine Dame in unserem GPS-System sagte Dasselbe. Es konnte also losgehen.

Das ist die fröhliche Reisegruppe:


und das die drei glücklichen (und extrem cool-dreinschauenden) Karteninhaber:


Die Erwachsenen durften im Auto vorne sitzen, die Kinder verteilten sich auf die fünf übrigen Sitze im hinteren Teil des Autos. Jeder hatte ein Aufgabe. Andi war der erste Fahrer, ich DJ, Kahina hatte für das leibliche Wohl gesorgt, G kümmerte sich ums Tanken, Trine organisierte das Hostel-Durcheinander, Tiphaine wurde nicht müde darin zu erwähnen, dass sie gerne einen Freizeit-Park besuchen würde, Neil war der Mann für wichtige Telefonate. Alles schien zu laufen. Die Musik kam gut an, das erste Mal verfuhren wir uns erst nach fünf Minuten, Arkansas erreichten wir dennoch ohne Probleme, niemand musste aufs Klo. Wunderbar. Dann übernahm Papa Mark das Steuer. Ich hatte mich vorher im Internet über die gängigen Speed-Limits informiert, diese allerdings wieder vergessen und fragte deshalb Andi, der schon so ziemlich überall auf der Welt gewesen ist - der arbeitsfaule Hund - wie das denn sei mit Kontrollen und Blitzern und so. "Alles ganz locker" war die Antwort, die ich mit Wohlwollen entgegennahm.
Also erstmal Mitschwimmen im Verkehr und hin und wieder rauf aufs Gas. Der Van mit Automatikgetriebe hatte überraschend viel Power und einen Schaltpunkt, der bei gefühlten 8000 Umdrehungen lag. Ein bisschen wie Gran Turismo, nur in echt. Nach etwa 15 Minuten Fahrzeit war es dann soweit: Ich fuhr gemütlich auf der linken Spur, als ich im Vorbeifahren einen Streifenwagen auf dem Grünstreifen (deswegen: Streifenwagen) zwischen den Fahrbahnen erblickte. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit. Dieses mulmige Gefühl wurde noch heftiger, als ich im Rückspiegel sah, dass sich das Polizeiauto plötzlich in Bewegung gesetzt hatte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und wechselte auf die rechte Fahrspur, Tempo: gefühlte 30. Nebenbei fing ich an, unauffällig zu pfeifen. Den Streifenwagen hatte ich fest im Blick. Kurzer Blick zu Andi, er war eingeschlafen, oh nein! Dann wieder Blick in den Rückspiegel. Sie waren hinter mir! Das Blaulicht war an, ich hörte die Polizeisirene. Adrenalin schoss durch den ganzen Körper. Was tun? Flüchten? Abrupt Bremsen? Rechts ranfahren? Was macht man in Amerika? Keine Ahnung. Ich rüttelte an Andi und sagte nur: POOOOLICE! BEHIND US! Er schaute nach hinten, fing laut an zu lachen und empfahl mir, auf den Standstreifen zu fahren. Gute Idee fand ich und folgte seinen Anweisungen. In den nächsten Sekunden malte ich mir die übelsten Szenarien aus. Das Bild eines amerikanischen Polizisten war - Hollywood sei dank - schrecklich. Ich erwartete einen großen, schnauzbärtigen, schlechtgelauten Mann mit RayBan-Sonnenbrille und Cowboy-Hut, der mich anschreien, verhaften und auf direktem Wege in Richtung Guantanamo schicken würde. Er klopfte am Beifahrer-Fenster, Andi öffnete es. Der Polizist - er trug tatsächlich einen Cowboy-Hut - lächelte. Ich war überrascht. Dann erklärte er mir, dass ich zu schnell gefahren war. Nämlich 84mph. Mit der Zahl konnte ich erstmal nichts anfangen, da ich nicht wusste, wie schnell man fahren darf. Die Frage danach verkniff ich mit allerdings. Dann verlangte er meinen Führerschein, überprüfte diesen und bat mich auszusteigen. "That's the deal" sagte er und gab mir mein "Speeding-Ticket". Richtig erkennen konnte ich nichts, ich sah jetzt aber das Speedlimit - 70mph. Ich war also 14 Meilen in der Stunde zu schnell gewesen. Ich erzählte ihm, dass es in Deutschland kein Speed-Limit gäbe. "Not at all?" - no. "Are you kidding?" no. "Haha, I should visit Germany" Das solltest du mein Freund, und dann ziehste mal den albernen Hut aus.
Er erklärte mir dann noch, dass ich irgendwo anrufen müsse bis zu einem bestimmten Datum, ich verstand kein Wort, war aber froh, nicht verhaftet worden zu sein und fragte schließlich, ob ich ein Foto mit ihm machen könnte. Er war jetzt endgültig nur noch am Lachen. Auf dem Weg zurück zum Auto versuchte ich ihn davon zu überzeugen, mich in den Schwitzkasten zu nehmen und böse zu gucken. "I'm not an angry cop" war die Anwort. Na gut, dann bitte Lächeln:

und das ist das Foto: (man beachte G im Auto):

Achja, der Spaß kostet wohl um die 130 Dollar. Ich hab allerdings immer noch keine Ahnung, wie, wann und wo ich das zahlen muss. Die Vermutungen gehen von: Du musst zum nem Gericht in Arkansas bis zahl einfach nix, die wissen ja nicht, wo du wohnst. Ich gehe morgen zu meiner BlackMummy und frag sie, was ich machen soll. Alles wie daheim.

Kommen wir zu Dallas. Wir sind tatsächlich angekommen. Das Hostel fanden wir zwar erst im zweiten Anlauf - ich wurde beschuldigt, die falsche Adresse ins Navi eingegeben zu haben - naja, aber wir fanden es. In einem kleinen "Vorort" von Dallas, genauer Irving. Das Hostel war mehr ein umgebautes normales kleines Häuschen. Das Wohnzimmer diente als Aufenthaltsraum, die restlichen Zimmer waren voll mit Etagenbetten. Die Besitzer des Hostels hießen Carlos und Ivan. Da aber weder Carlos noch Ivan anwesend war und beide auch telefonisch nicht zu erreichen waren, öffnete uns einer der anderen Gäste die Tür, begrüßte uns und sagte: "Macht einfach, was ihr wollt." Und genau das machten wir dann auch.

Unser Zimmer - rechts oben: mein Himmelbett - Trine musste auf dem Boden schlafen, da wir versehentlich ein Bett zu wenig reserviert hatten. Wir sind halt echte Gentlemen:


Ausblick von meinem Bett. Ich weiß nicht genau, was er da macht - aber es machte mit ein bisschen Angst:



Den Samstag hatten wir zum Touristen-Samstag auserkoren und machten uns dementsprechend früh auf den Weg in Richtung Downtown. Andi programmierte das GPS und los ging es. Ich war mal wieder dran mit Fahren. Nach 15 Minuten wunderte ich mich das erste Mal über die kleinen Häuser am Wegesrand - ich hatte mir Downtown irgendwie größer vorgestellt, sagte aber nichts. Als wir nach einer halben Stunde ein heruntergekommenes Stadion zum zweiten Mal passierten, war mir klar, dass irgendwas nicht stimmen konnte. Die Schuldige war schnell gefunden: Die kleine Dame im GPS schien keine Ahnung zu haben, wohin es geht. Ihre Befehle waren wirr, zu spät oder völlig sinnlos. Glücklicherweise übernahm G das Kommando. Er hatte eine Straßenkarte von Memphis entdeckt und gab genaue Anweisungen, denen ich folgte und Downtown schließlich erfolgreich fand. Zum Teufel mit der Technik.

Die Schuldige:

                                   

Die Geschichte von Downtown ist schnell erzählt. Viele große Häuser, viele Geschäfte, eine kostenlose alte Straßenbahn (Trolley) mit einem verrückten Fahrer, wir schossen Fotos von allem und jedem - G zeigte sich in dieser Disziplin als besonders hartnäckig und lief dementsprechend immer ca. 20 Meter hinter uns, da er wohl noch nie in seinem Leben Wolkenkratzer gesehen hatte und total von den Socken war. Zwischen die Zähne bekamen wir zwischendurch Gott sei Dank auch etwas, die Frauen konnte das erste Mal ein wenig shoppen, alle waren glücklich. Auf dem Heimweg (mittlerweile später Abend) machten wir noch kurz Stop (so war es zumindest geplant) an einer Rieeeeeeeesen-Mall. Ich hatte nach drei Minuten genug, aber leider die Rechnung ohne den Wirt bzw. die französichen Shopping-Queens gemacht. Wir verbrachten gefühlte zehn Stunden in der Mall und erreichten das Hostel gegen 23 Uhr. Im Gepäck unzählige Tüten und mexikanisches Bier, das wir in den darauffolgenden Stunden gemeinsam vernichtetenden.

Downtown:


G - der Touri:


Ich - mit Augen zu:


Sonntag stand der Höhepunkt des Wochenendes auf dem Programm: Das Allstar-Game. Da wir jede Menge Horrorgeschichten über die Parkplatzsituation gehört hatten und ja nicht zu spät kommen wollten und irgendjemand aufgeschnappt hatte, dass die Show um 4:30 losgehen würde (das Spiel sollte um 7:00 starten), war der Plan, dass die drei glücklichen Karteninhaber und der Rest der Bande nach einem gemeinsamen Mittagessen getrennte Wege gehen würden. Wir Richtung Stadion - und die Frauen plus Neil, und jetzt aufgepasst - noch mal in die große Mall des Vortags, haha. Ich amüsierte mich köstlich und bot Neil mein Ticket an. 500$. Er lehnte ab und ich wünschte ihm einen schönen Tag.

Das Stadion fanden wir schnell, ebenso einen Parkplatz, das Wetter war mies (von wegen Klimaerwärmung - Schnee in Texas und gefühlte minus zehn Grad. Ozonloch? Ich hab noch keins gesehen) und wir viel zu früh. Mittlerweile hatten wir herausgefunden, dass die Tore erst um 4:30 und das Stadion um 5:30Uhr öffnen würden. Wir vertrieben uns die Zeit mit Fotos machen, Fotos machen und Fotos machen.

Dirk und ich:


Ich und Dirk und mein neues Dirk-Shirt:


Das Stadion:


Unser erster Gedanke, als wir auf unseren Sitzen angekamen, war: Juhu, es ist warm. Der zweite: Scheiße, wir sind verdammt weit oben. Der dritte: Warum haben wir kein Fernglas mitgenommen? Das Spiel fand im Stadion der Dallas Cowboys statt. Insgesamt waren 108.000 Zuschauer vor Ort - ein neuer Weltrekord für ein Basketballspiel. Es war eine Megashow. Usher performte vor dem Spiel, Shakira und Alicia Keys in der Halbzeitpause (Das sind jetzt alles nicht meine absoluten Idole - G hingegen war voll aus dem Häuschen "Sis is si löf öf my leif "sagte er immer wieder, als Shakiras Popo auf dem überdimensional großen Screen zu sehen war), ich hab Dirk Nowitzki live gesehen, das Spiel war mehr eine Art Demonstration der besten Dunks und Tricks, es hat wirklich Spaß gemacht.

und so sah das aus - der Screen ist größer als das Spielfeld:


und das ist Gs Löf - oben groß - unten klein:


Das ganze Spektakel war gegen 23 Uhr fertig. Den Rest der Gruppe sammelten wir in Downtown ein, Neil hatte tatsächlich überlebt, Andi und ich deckten uns mit RedBull und Kaffee ein und gegen 07:20 Uhr erreichten wir Memphis. Die Uni habe ich an diesem Tag leider verpasst, aber das war es wert. Und das war es auch für heute.
Hejhej (das ist dänisch)

Dienstag, 9. Februar 2010

Man kennt sich

Mittlerweile bin ich genau vier Wochen in Amerika, genauer in Memphis. Ich mag diese Stadt wirklich. Ich habe zwar immer noch null Orientierung, weil man ja überall hingefahren wird und alles irgendwie (gefühlt) unfassbar weit weg und auseinandergezogen ist. Ich weiß aber, wo der nächste Supermarkt ist, wo die nächste Tankstelle, ein Liquorstore, dass es Midtown gibt und Downtown und den Campus erreiche ich auch ohne fremde Hilfe. Ich finde die Bibliothek, dort kann man drucken und Farbkopien gibts im TigerShop, erste Stock. Man kann sagen, dass so etwas wie Alltag eingekehrt ist. Morgens aufstehen, Uni, essen, überlegen, was man abends macht, Gym, wann ist das nächste Tiger-Game, wann wieder Wochenende, alles wie daheim. Nur anders. Alltag ist so ziemlich das Witzigste, was es gibt in Amerika. Man muss nur genau hinsehen. Beispiel Nummer eins: Momentan ist es ziemlich kalt. Was macht ein ordentlicher Ami, wenn ihm kalt ist? Er macht nicht etwa die Heizung an, nein...Backofen - volle Kraft voraus, Ofentür (heißt das so?) geöffnet und ruckzuck isses warm in der Butze. Dass es nebenbei nach alten Pizzaresten und verbranntem Käse riecht, stört niemanden. Beispiel Nummer zwei: Einkaufen. Es gibt ziemlich viele ziemlich große Geschäfte in Memphis. Mein erster Einkauf lief so ab, dass ich erstmal nicht wusste, wo ich hinlaufen sollte. Ich wollte eigentlich nur etwas Brot (dumm von mir) und bisschen Wurst zum Frühstücken, ein paar Nudeln, Wasser...das nötigste eben. Als ich den Laden verlassen hatte, hatte ich zusätzlich einen USB-Stick, einen kleinen Basketball, 24 Dosen Mountain Dew, einen Riesen-Sandwich, Tiefkühlpizzen,  Waschmittel "Island Fresh", sechs Tupperdosen und jede Menge anderer - mehr oder weniger unnützer - Gegenstände gekauft. Ich hätte auch eine Playstation 3, LCD-Bildschirme, einen Wohnwagen und eine Reise in die Antarktis kaufen bzw. buchen können. Kurzum: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Außer Brot.

Das Riesensandwich und ich:


An der Kasse angekommen, dann die nächste Überraschung: Was macht man, wenn man in der Schlange steht? Zuerst: Merken, dass man seinen Rucksack zu Hause vergessen hat, dann: Merken, dass selbst der Rucksack zu klein gewesen wäre, dann: Nach Tüten Ausschau halten, kurz in die Hocke, Blick unters Laufband...keine Tüten. Blick hinter die Kasse: viele Tüten, aber irgendwie klein, und wie krieg ich mein Zeug da rein? Also, erstmal abwarten. Nach kurzer Wartezeit war ich an der Reihe, legte meine geschätzten 47 verschiedenen Sachen aufs Band, marschierte an der Kassiererin vorbei, um meine Tüten zu packen, doch das Packen war schon in vollem Gange. Das macht die Kassiererin. Servicewüste Deutschland, aufgepasst! Problem ist nur, dass das Packen nicht besonders effizient betrieben wird. Ich hatte das Gefühl, dass ich am Ende mehr Tüten als gekaufte Gegenstände hatte - also geschätzte 56 Tüten. Habt ihr schon mal versucht, 56 Tüten zu tragen? Ebendrum. Hat aber alles irgendwie geklappt und ich war eine Erfahrung reicher. (An dieser Stelle ein Dank an Frau Edna Bergmann - sie hat dasselbe erlebt, ich hab versprochen, sie namtlich zu erwähnen)

Beispiel Nummer drei (Episode zwei): Amis und der Schnee. Am Montag war er mal wieder soweit: Die Uni hatte wegen Schnee geschlossen. Das war insofern wirklich begrüßenswert, da am Tag zuvor Superbowl war und ich dementsprechend spät im Bett war. Als ich gegen 3 Uhr nach Hause kam, war von Schnee (mal wieder) noch nichts zu sehen. Um 5:40 Uhr kam die SMS (die Uni schickt SMS an alle Studenten, wenn etwas Weltbewegendes passiert, wie die das machen, weiß ich nicht), dass die Uni nicht öffnen würde. Was in diesen 2,5 Stunden passiert ist, weiß ich nicht, als ich ausgeschlafen hatte, sah zumindest alles irgendwie aus wie immer. Es regnete nur wie aus Eimern, aber das tut es oft. Naja, gibt schlimmeres als einen freien Tag. 

Kommen wir zum Wochenende. Drei Highlights: Sushi-Essen mit Prominenz, Wyndle macht Essen für alle, Superbowl. Da ich Treewee (mit der linken Hand) im Tischtennis besiegt hatte, schuldete sie mir ein Gratis-Essen im Sushi-Restaurant ihrer Eltern.

Vor dem Spiel:


Hier ein Bild des Triumphs - nach dem Spiel:


Andi, Neil, Silvia und ich machten uns also auf den Weg in Richtung Restaurant. Dort trafen wir Treewees Bruder und zwei seiner Freunde. Nach den üblichen Anfangsfloskeln..wie heißt ihr, wo kommt ihr her, wie gefällt es euch, da müsst ihr unbedingt hin, stellte sich heraus, dass einer der Freunde ein Spieler der Tigers war. Er war etwas verwundert, dass wir ihn nicht sofort erkannt haben, wir täuschten danach aber erfoglreich vor, große Fans zu sein und ihn nur nicht zu kennen, weil er ganz anders aussähe als auf dem Spielfeld. Inzwischen haben wir herausgefunden, dass er immer auf der Bank sitzt und nur dann eingewechselt wird, wenn die Tigers mit 30 Punkten führen, damit das Publikum noch mal was zum Klatschen und Mitfiebern hat. Man könnte ihn auch mit Markus Klawe beim Tus Hahn vergleichen. Immer der Erste beim Jubeln, beim Aufwärmen ganz vorne, kennt die Cheerleader und die Putzfrauen mit Vorname, ein wirklich netter Mensch. Er bot uns an, das Trainingszentrum mit Kabinen usw. zu besichtigen. Wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme und fuhren nach dem Sushi, das übrigens weltklasse war, zusammen zu den heiligen Hallen.

Der Star und seine Groupies (man vergleiche: oben und zweiter von links):


und hier isser in Action (ziemlich genau in der Mitte):


Das zweite Highlight des Wochenendes war das von Wyndle versprochene Essen. Es gab Hähnchen mit Sweet Potatoes, undefinierbarem Gemüse mit Speck und Nudeln irgendwie mit Käse oder so. War wirklich lecker. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, da die Bilder für sich sprechen:

Mitbewohner Nummer zwei und ich:


Mitbewohner Nummer zwei (ziemlich groß) und Neil (ziemlich klein):


Das Essen:


Ihr schmeckts:

und die Frauen machen den Abwasch:


So, das wars für heute. Superbowl-Party (ein Highlight) kommt beim nächsten Mal. Am Wochenende fahren wir nach Dallas zum NBA-Allstar-Game. Es gibt also nächste Woche einen American-Sports-Blog.
Bis dahin.
Mark aus Memphis

Mittwoch, 3. Februar 2010

Keiner kennt den Pur-Hitmix

Werte Freunde,
es ist mal wieder soweit: Ich erzähle einen Schwank aus meinen Leben in Amerika. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute mal so richtig zu lernen und zu lesen und bunt anzustreichen und rauszuschreiben und alles mit kleinen Post-Its zu versehen. War leider nix. Stattdessen habe ich gespült, gekocht, eine Modenschau mit mir selbst gemacht und jetzt angefangen, den Blog zu schreiben. Modenschau übrigens deshalb, weil ich mir letzte Woche ein paar Klamotten bei den allseits bekannten Marken, die man ja nur in Amerika bekommt, im Internet bestellt und heute das Päckchen bekommen habe. Ich kam mir ein bisschen vor, wie ein pubertierendes Mädchen. Shirt an, zum Spiegel rennen, Bauch einziehen, denken: puh. sagen: passt - ab in den Schrank das Teil und freuen. Das Ganze hab ich sechsmal gemacht, ein Pulli ist zu groß, wird umgetauscht. Läuft.

Nun gut, was gibt es zu berichten... Das Wochenende startete am Freitag damit, dass sich der harte Kern in meiner Butze versammelte. Es war eigentlich angedacht, auf eine der sagenumwobenen Fraternity-Partys zu gehen. Wir mussten nur irgendwie Bier besorgen und dann das richtige Haus finden. Es kam allerdings alles anders, da mein Mitbewohner und einer seiner Freunde unbedingt mit dem Deutschen (das bin ich) Bier trinken wollten. Amerikaner haben von Deutschen ein ziemliches einfaches Bild. Deutsche können: Bier trinken. Deutsche können nicht: Kriege gewinnen. Mehr wissen sie nicht und mehr wollen sie auch nicht wissen. So begab es sich also, dass sich Andi und ich kurzerhand in Wyndles Van wiederfanden und wir zu einem der Liquorstores aufbrachen. Vorher noch fleißig Geld von den anwesenden International Students eingesammelt, dann die Kühlschränke geplündert, alles fein säuberlich in unauffällige schwarze Plastiktüten gepackt und Rückzug in Richtung Uni. Man muss dazu sagen, dass Alkohol auf dem Campus (also auch in unseren Apartments) streng verboten ist. Ich hoffe also, dass keiner R.A.s (die Aufpasser vom Dienst) Deutsch spricht und meinen Blog entdeckt. :) 
Mein Apartment hatte sich in der Zwischenzeit ordentlich mit Leuten gefüllt. Zu unserer (bösen) Überraschung hatten sogar die Franzosen Wind bekommen von der Spontanfete und warteten nun auf Gratis-Verpflegung. Was willste machen. In den nächsten Stunden entwickelte sich ein fröhliches internationales Miteinander. Silvia, die kleine Italienerin, vermöbelte meinen Mitbewohner, den Gangsta-Rapper (ich übertreibe, dann ists lustiger), in Tekken auf der Playstation, ein Araber, dessen Name ich nicht mehr weiß, versuchte mich davon zu überzeugen, dass Leverkusen dieses Jahr Meister wird, Andi unterhielt sich mit einer Amerikanerin, die wir - warum auch immer - "rosa Elefant" tauften, haha, über Gott und die Welt, die drei Engländerinnen saßen Chips-mampfend auf der Couch (das machen die immer), Neil entdeckte die Gitarre, ich versuchte Jan Delay als deutschen Hiphop zu verkaufen, scheiterte allerdings kläglich, setzte dann alles auf eine Karte und spielte den Pur Hitmix. Gut, kam jetzt nicht sooo gut an. Gegen 6Uhr ging ich ins Bett. Zurück ließ ich Wyndle, seinen "Bruder" und eine der Franzosen. Die kriegst du aber auch nicht aus der Wohnung.

M for Memphis - was ich genau mache, kann ich auch nicht sagen:



Weiß beginnt, schwarz gewinnt, Treewee guckt dumm aus der Wäsche:


Nachdem der Samstag eher ruhig verlief, machten wir uns Sonntag auf den Weg an die Uni. Ich wiederhole noch einmal die wichtigsten Wörter des letzten Satzes: Sonntag. Uni. Aha! Wir, das sind Andi, Neil und ich, belegen den Kurs "Visual Journalism" - eine Art Photoshop-Kurs für Dummies. Dafür mussten wir ein "Projekt" fertig machen und das haben wir, engagiert wie wir sind, dann auch gemacht.

Nur am Malochen (nicht gestellt):
 
                                     

Montag stand der erste Höhepunkt der Woche auf dem Programm: Memphis Grizzlies vs. L.A. Lakers im FedEx-Forum. Für alle nicht Basketballer (ich gebe zu: ich habe auch keine Ahnung): Die L.A. Lakers sind das Bayern München der NBA. Jeder kennt sie, vielen mögen sie, viele mögen sie nicht, und viele behaupten einfach, dass sie sie mögen, obwohl sie keine Ahnung haben. Zu dieser Sorte gehöre ich, obwohl ich ja jetzt Grizzlies-Fan bin und Tigers-Fan und eigentlich auch Dallas-Fan wegen Dirk Nowitzki. Naja, ich wollte einfach mal Kobe Bryant sehen. Er ist wahrscheinlich der beste Spieler der Welt momentan, vielleicht der beste Spieler, den es jemals gab. Ich weiß es nicht, ist auch egal. Ich habe ihn jetzt live gesehen. Mehr wollte ich nicht.

und das ist er (hat mal eben 44 Punkte gemacht und trotzdem verloren):

                                     

und das sind wir: die Fans. Ich bin der ohne Flagge.

                                     

Gestern Abend stand Wrestling auf dem Programm. Ein seltsamer "Sport". Die Leute im Publikum rasten bei zwei Dingen komplett aus: Zum einen, wenn ihr Favorit gewinnt, was komischerweise in 95% aller Matches der Fall ist, und zum anderen, wenn eine Fernseh-Kamera auf sie gerichtet ist. Erwachsene Menschen mit seltsamen Masken und selbstgemalten Pappschilder springen auf den Sitzen umher, reißen sich die Klamotten vom Leib und grölen Dinge wie "SIIIXXX ONE NINE". Ich hab nicht verstanden wieso, aber sie tun es. Witzig, aber irgendwie...amerikanisch. Spaß gemacht hats trotzdem. 3 1/2 Stunden sinnlose Show und am Ende der Veranstaltung war der Undertaker der große Held. Das war irgendwie vorherzusehen.

Ich und The Undertaker:

                                      

Ihr seht, es geht mir weiterhin gut. Zum Glück bin ich jetzt fertig mit Lernen und kann beruhigt zum Tigers-Game gehen bzw. gefahren werden.
Alles Gute.
Mark