Während in Deutschland die Narren ihr Unwesen trieben, stand bei mir der erste Roadtrip auf dem Programm. Das Ziel: Dallas, Texas. Der Grund: Das Allstar-Game. Die Teilnehmer: Andi, G und ich (mit Tickets) - Neil, Trine, Tiphaine und Kahina (ohne Tickets). Vor allem Neil sollte diese Konstellation und das Sparen an falscher Stelle noch bereuen. Dazu später mehr. Das Hostel hatten wir rechtzeitig gebucht, das Auto reserviert und das Taxi frühzeitig bestellt, um direkt nach Unischluss am Freitag aufzubrechen. Wir versammelten uns zu abgesprochener Zeit am Kiosk, alles war, wie geplant. Nur die eitlen Französinnen ließen eine halbe Stunde auf sich warten, um dann freudestrahlend mit einem Koffer (wohlgemerkt für drei Tage) um die Ecke zu kommen. Nachdem jeder einen dummen Spruch über Franzosen, Frauen und die Kombination von beidem losgeworden war, ging es mit dem Taxi in Richtung Flughafen, wo wir unseren Van abholten. Da Andi und ich die Einzigen über 21 sind, die einen Füherschein besitzen, blieb der Job des Fahrers an uns hängen. Für die Entfernung von 700km von Memphis nach Dallas hatten wir sieben Stunden berechnend, die kleine Dame in unserem GPS-System sagte Dasselbe. Es konnte also losgehen.
Das ist die fröhliche Reisegruppe:
und das die drei glücklichen (und extrem cool-dreinschauenden) Karteninhaber:
Die Erwachsenen durften im Auto vorne sitzen, die Kinder verteilten sich auf die fünf übrigen Sitze im hinteren Teil des Autos. Jeder hatte ein Aufgabe. Andi war der erste Fahrer, ich DJ, Kahina hatte für das leibliche Wohl gesorgt, G kümmerte sich ums Tanken, Trine organisierte das Hostel-Durcheinander, Tiphaine wurde nicht müde darin zu erwähnen, dass sie gerne einen Freizeit-Park besuchen würde, Neil war der Mann für wichtige Telefonate. Alles schien zu laufen. Die Musik kam gut an, das erste Mal verfuhren wir uns erst nach fünf Minuten, Arkansas erreichten wir dennoch ohne Probleme, niemand musste aufs Klo. Wunderbar. Dann übernahm Papa Mark das Steuer. Ich hatte mich vorher im Internet über die gängigen Speed-Limits informiert, diese allerdings wieder vergessen und fragte deshalb Andi, der schon so ziemlich überall auf der Welt gewesen ist - der arbeitsfaule Hund - wie das denn sei mit Kontrollen und Blitzern und so. "Alles ganz locker" war die Antwort, die ich mit Wohlwollen entgegennahm.
Also erstmal Mitschwimmen im Verkehr und hin und wieder rauf aufs Gas. Der Van mit Automatikgetriebe hatte überraschend viel Power und einen Schaltpunkt, der bei gefühlten 8000 Umdrehungen lag. Ein bisschen wie Gran Turismo, nur in echt. Nach etwa 15 Minuten Fahrzeit war es dann soweit: Ich fuhr gemütlich auf der linken Spur, als ich im Vorbeifahren einen Streifenwagen auf dem Grünstreifen (deswegen: Streifenwagen) zwischen den Fahrbahnen erblickte. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit. Dieses mulmige Gefühl wurde noch heftiger, als ich im Rückspiegel sah, dass sich das Polizeiauto plötzlich in Bewegung gesetzt hatte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und wechselte auf die rechte Fahrspur, Tempo: gefühlte 30. Nebenbei fing ich an, unauffällig zu pfeifen. Den Streifenwagen hatte ich fest im Blick. Kurzer Blick zu Andi, er war eingeschlafen, oh nein! Dann wieder Blick in den Rückspiegel. Sie waren hinter mir! Das Blaulicht war an, ich hörte die Polizeisirene. Adrenalin schoss durch den ganzen Körper. Was tun? Flüchten? Abrupt Bremsen? Rechts ranfahren? Was macht man in Amerika? Keine Ahnung. Ich rüttelte an Andi und sagte nur: POOOOLICE! BEHIND US! Er schaute nach hinten, fing laut an zu lachen und empfahl mir, auf den Standstreifen zu fahren. Gute Idee fand ich und folgte seinen Anweisungen. In den nächsten Sekunden malte ich mir die übelsten Szenarien aus. Das Bild eines amerikanischen Polizisten war - Hollywood sei dank - schrecklich. Ich erwartete einen großen, schnauzbärtigen, schlechtgelauten Mann mit RayBan-Sonnenbrille und Cowboy-Hut, der mich anschreien, verhaften und auf direktem Wege in Richtung Guantanamo schicken würde. Er klopfte am Beifahrer-Fenster, Andi öffnete es. Der Polizist - er trug tatsächlich einen Cowboy-Hut - lächelte. Ich war überrascht. Dann erklärte er mir, dass ich zu schnell gefahren war. Nämlich 84mph. Mit der Zahl konnte ich erstmal nichts anfangen, da ich nicht wusste, wie schnell man fahren darf. Die Frage danach verkniff ich mit allerdings. Dann verlangte er meinen Führerschein, überprüfte diesen und bat mich auszusteigen. "That's the deal" sagte er und gab mir mein "Speeding-Ticket". Richtig erkennen konnte ich nichts, ich sah jetzt aber das Speedlimit - 70mph. Ich war also 14 Meilen in der Stunde zu schnell gewesen. Ich erzählte ihm, dass es in Deutschland kein Speed-Limit gäbe. "Not at all?" - no. "Are you kidding?" no. "Haha, I should visit Germany" Das solltest du mein Freund, und dann ziehste mal den albernen Hut aus.
Er erklärte mir dann noch, dass ich irgendwo anrufen müsse bis zu einem bestimmten Datum, ich verstand kein Wort, war aber froh, nicht verhaftet worden zu sein und fragte schließlich, ob ich ein Foto mit ihm machen könnte. Er war jetzt endgültig nur noch am Lachen. Auf dem Weg zurück zum Auto versuchte ich ihn davon zu überzeugen, mich in den Schwitzkasten zu nehmen und böse zu gucken. "I'm not an angry cop" war die Anwort. Na gut, dann bitte Lächeln:
und das ist das Foto: (man beachte G im Auto):
Achja, der Spaß kostet wohl um die 130 Dollar. Ich hab allerdings immer noch keine Ahnung, wie, wann und wo ich das zahlen muss. Die Vermutungen gehen von: Du musst zum nem Gericht in Arkansas bis zahl einfach nix, die wissen ja nicht, wo du wohnst. Ich gehe morgen zu meiner BlackMummy und frag sie, was ich machen soll. Alles wie daheim.
Kommen wir zu Dallas. Wir sind tatsächlich angekommen. Das Hostel fanden wir zwar erst im zweiten Anlauf - ich wurde beschuldigt, die falsche Adresse ins Navi eingegeben zu haben - naja, aber wir fanden es. In einem kleinen "Vorort" von Dallas, genauer Irving. Das Hostel war mehr ein umgebautes normales kleines Häuschen. Das Wohnzimmer diente als Aufenthaltsraum, die restlichen Zimmer waren voll mit Etagenbetten. Die Besitzer des Hostels hießen Carlos und Ivan. Da aber weder Carlos noch Ivan anwesend war und beide auch telefonisch nicht zu erreichen waren, öffnete uns einer der anderen Gäste die Tür, begrüßte uns und sagte: "Macht einfach, was ihr wollt." Und genau das machten wir dann auch.
Unser Zimmer - rechts oben: mein Himmelbett - Trine musste auf dem Boden schlafen, da wir versehentlich ein Bett zu wenig reserviert hatten. Wir sind halt echte Gentlemen:
Ausblick von meinem Bett. Ich weiß nicht genau, was er da macht - aber es machte mit ein bisschen Angst:
Den Samstag hatten wir zum Touristen-Samstag auserkoren und machten uns dementsprechend früh auf den Weg in Richtung Downtown. Andi programmierte das GPS und los ging es. Ich war mal wieder dran mit Fahren. Nach 15 Minuten wunderte ich mich das erste Mal über die kleinen Häuser am Wegesrand - ich hatte mir Downtown irgendwie größer vorgestellt, sagte aber nichts. Als wir nach einer halben Stunde ein heruntergekommenes Stadion zum zweiten Mal passierten, war mir klar, dass irgendwas nicht stimmen konnte. Die Schuldige war schnell gefunden: Die kleine Dame im GPS schien keine Ahnung zu haben, wohin es geht. Ihre Befehle waren wirr, zu spät oder völlig sinnlos. Glücklicherweise übernahm G das Kommando. Er hatte eine Straßenkarte von Memphis entdeckt und gab genaue Anweisungen, denen ich folgte und Downtown schließlich erfolgreich fand. Zum Teufel mit der Technik.
Die Schuldige:
Die Geschichte von Downtown ist schnell erzählt. Viele große Häuser, viele Geschäfte, eine kostenlose alte Straßenbahn (Trolley) mit einem verrückten Fahrer, wir schossen Fotos von allem und jedem - G zeigte sich in dieser Disziplin als besonders hartnäckig und lief dementsprechend immer ca. 20 Meter hinter uns, da er wohl noch nie in seinem Leben Wolkenkratzer gesehen hatte und total von den Socken war. Zwischen die Zähne bekamen wir zwischendurch Gott sei Dank auch etwas, die Frauen konnte das erste Mal ein wenig shoppen, alle waren glücklich. Auf dem Heimweg (mittlerweile später Abend) machten wir noch kurz Stop (so war es zumindest geplant) an einer Rieeeeeeeesen-Mall. Ich hatte nach drei Minuten genug, aber leider die Rechnung ohne den Wirt bzw. die französichen Shopping-Queens gemacht. Wir verbrachten gefühlte zehn Stunden in der Mall und erreichten das Hostel gegen 23 Uhr. Im Gepäck unzählige Tüten und mexikanisches Bier, das wir in den darauffolgenden Stunden gemeinsam vernichtetenden.
Downtown:
G - der Touri:
Ich - mit Augen zu:
Sonntag stand der Höhepunkt des Wochenendes auf dem Programm: Das Allstar-Game. Da wir jede Menge Horrorgeschichten über die Parkplatzsituation gehört hatten und ja nicht zu spät kommen wollten und irgendjemand aufgeschnappt hatte, dass die Show um 4:30 losgehen würde (das Spiel sollte um 7:00 starten), war der Plan, dass die drei glücklichen Karteninhaber und der Rest der Bande nach einem gemeinsamen Mittagessen getrennte Wege gehen würden. Wir Richtung Stadion - und die Frauen plus Neil, und jetzt aufgepasst - noch mal in die große Mall des Vortags, haha. Ich amüsierte mich köstlich und bot Neil mein Ticket an. 500$. Er lehnte ab und ich wünschte ihm einen schönen Tag.
Das Stadion fanden wir schnell, ebenso einen Parkplatz, das Wetter war mies (von wegen Klimaerwärmung - Schnee in Texas und gefühlte minus zehn Grad. Ozonloch? Ich hab noch keins gesehen) und wir viel zu früh. Mittlerweile hatten wir herausgefunden, dass die Tore erst um 4:30 und das Stadion um 5:30Uhr öffnen würden. Wir vertrieben uns die Zeit mit Fotos machen, Fotos machen und Fotos machen.
Dirk und ich:
Ich und Dirk und mein neues Dirk-Shirt:
Das Stadion:
Unser erster Gedanke, als wir auf unseren Sitzen angekamen, war: Juhu, es ist warm. Der zweite: Scheiße, wir sind verdammt weit oben. Der dritte: Warum haben wir kein Fernglas mitgenommen? Das Spiel fand im Stadion der Dallas Cowboys statt. Insgesamt waren 108.000 Zuschauer vor Ort - ein neuer Weltrekord für ein Basketballspiel. Es war eine Megashow. Usher performte vor dem Spiel, Shakira und Alicia Keys in der Halbzeitpause (Das sind jetzt alles nicht meine absoluten Idole - G hingegen war voll aus dem Häuschen "Sis is si löf öf my leif "sagte er immer wieder, als Shakiras Popo auf dem überdimensional großen Screen zu sehen war), ich hab Dirk Nowitzki live gesehen, das Spiel war mehr eine Art Demonstration der besten Dunks und Tricks, es hat wirklich Spaß gemacht.
und so sah das aus - der Screen ist größer als das Spielfeld:
und das ist Gs Löf - oben groß - unten klein:
Das ganze Spektakel war gegen 23 Uhr fertig. Den Rest der Gruppe sammelten wir in Downtown ein, Neil hatte tatsächlich überlebt, Andi und ich deckten uns mit RedBull und Kaffee ein und gegen 07:20 Uhr erreichten wir Memphis. Die Uni habe ich an diesem Tag leider verpasst, aber das war es wert. Und das war es auch für heute.
Hejhej (das ist dänisch)













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