Dienstag, 9. Februar 2010

Man kennt sich

Mittlerweile bin ich genau vier Wochen in Amerika, genauer in Memphis. Ich mag diese Stadt wirklich. Ich habe zwar immer noch null Orientierung, weil man ja überall hingefahren wird und alles irgendwie (gefühlt) unfassbar weit weg und auseinandergezogen ist. Ich weiß aber, wo der nächste Supermarkt ist, wo die nächste Tankstelle, ein Liquorstore, dass es Midtown gibt und Downtown und den Campus erreiche ich auch ohne fremde Hilfe. Ich finde die Bibliothek, dort kann man drucken und Farbkopien gibts im TigerShop, erste Stock. Man kann sagen, dass so etwas wie Alltag eingekehrt ist. Morgens aufstehen, Uni, essen, überlegen, was man abends macht, Gym, wann ist das nächste Tiger-Game, wann wieder Wochenende, alles wie daheim. Nur anders. Alltag ist so ziemlich das Witzigste, was es gibt in Amerika. Man muss nur genau hinsehen. Beispiel Nummer eins: Momentan ist es ziemlich kalt. Was macht ein ordentlicher Ami, wenn ihm kalt ist? Er macht nicht etwa die Heizung an, nein...Backofen - volle Kraft voraus, Ofentür (heißt das so?) geöffnet und ruckzuck isses warm in der Butze. Dass es nebenbei nach alten Pizzaresten und verbranntem Käse riecht, stört niemanden. Beispiel Nummer zwei: Einkaufen. Es gibt ziemlich viele ziemlich große Geschäfte in Memphis. Mein erster Einkauf lief so ab, dass ich erstmal nicht wusste, wo ich hinlaufen sollte. Ich wollte eigentlich nur etwas Brot (dumm von mir) und bisschen Wurst zum Frühstücken, ein paar Nudeln, Wasser...das nötigste eben. Als ich den Laden verlassen hatte, hatte ich zusätzlich einen USB-Stick, einen kleinen Basketball, 24 Dosen Mountain Dew, einen Riesen-Sandwich, Tiefkühlpizzen,  Waschmittel "Island Fresh", sechs Tupperdosen und jede Menge anderer - mehr oder weniger unnützer - Gegenstände gekauft. Ich hätte auch eine Playstation 3, LCD-Bildschirme, einen Wohnwagen und eine Reise in die Antarktis kaufen bzw. buchen können. Kurzum: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Außer Brot.

Das Riesensandwich und ich:


An der Kasse angekommen, dann die nächste Überraschung: Was macht man, wenn man in der Schlange steht? Zuerst: Merken, dass man seinen Rucksack zu Hause vergessen hat, dann: Merken, dass selbst der Rucksack zu klein gewesen wäre, dann: Nach Tüten Ausschau halten, kurz in die Hocke, Blick unters Laufband...keine Tüten. Blick hinter die Kasse: viele Tüten, aber irgendwie klein, und wie krieg ich mein Zeug da rein? Also, erstmal abwarten. Nach kurzer Wartezeit war ich an der Reihe, legte meine geschätzten 47 verschiedenen Sachen aufs Band, marschierte an der Kassiererin vorbei, um meine Tüten zu packen, doch das Packen war schon in vollem Gange. Das macht die Kassiererin. Servicewüste Deutschland, aufgepasst! Problem ist nur, dass das Packen nicht besonders effizient betrieben wird. Ich hatte das Gefühl, dass ich am Ende mehr Tüten als gekaufte Gegenstände hatte - also geschätzte 56 Tüten. Habt ihr schon mal versucht, 56 Tüten zu tragen? Ebendrum. Hat aber alles irgendwie geklappt und ich war eine Erfahrung reicher. (An dieser Stelle ein Dank an Frau Edna Bergmann - sie hat dasselbe erlebt, ich hab versprochen, sie namtlich zu erwähnen)

Beispiel Nummer drei (Episode zwei): Amis und der Schnee. Am Montag war er mal wieder soweit: Die Uni hatte wegen Schnee geschlossen. Das war insofern wirklich begrüßenswert, da am Tag zuvor Superbowl war und ich dementsprechend spät im Bett war. Als ich gegen 3 Uhr nach Hause kam, war von Schnee (mal wieder) noch nichts zu sehen. Um 5:40 Uhr kam die SMS (die Uni schickt SMS an alle Studenten, wenn etwas Weltbewegendes passiert, wie die das machen, weiß ich nicht), dass die Uni nicht öffnen würde. Was in diesen 2,5 Stunden passiert ist, weiß ich nicht, als ich ausgeschlafen hatte, sah zumindest alles irgendwie aus wie immer. Es regnete nur wie aus Eimern, aber das tut es oft. Naja, gibt schlimmeres als einen freien Tag. 

Kommen wir zum Wochenende. Drei Highlights: Sushi-Essen mit Prominenz, Wyndle macht Essen für alle, Superbowl. Da ich Treewee (mit der linken Hand) im Tischtennis besiegt hatte, schuldete sie mir ein Gratis-Essen im Sushi-Restaurant ihrer Eltern.

Vor dem Spiel:


Hier ein Bild des Triumphs - nach dem Spiel:


Andi, Neil, Silvia und ich machten uns also auf den Weg in Richtung Restaurant. Dort trafen wir Treewees Bruder und zwei seiner Freunde. Nach den üblichen Anfangsfloskeln..wie heißt ihr, wo kommt ihr her, wie gefällt es euch, da müsst ihr unbedingt hin, stellte sich heraus, dass einer der Freunde ein Spieler der Tigers war. Er war etwas verwundert, dass wir ihn nicht sofort erkannt haben, wir täuschten danach aber erfoglreich vor, große Fans zu sein und ihn nur nicht zu kennen, weil er ganz anders aussähe als auf dem Spielfeld. Inzwischen haben wir herausgefunden, dass er immer auf der Bank sitzt und nur dann eingewechselt wird, wenn die Tigers mit 30 Punkten führen, damit das Publikum noch mal was zum Klatschen und Mitfiebern hat. Man könnte ihn auch mit Markus Klawe beim Tus Hahn vergleichen. Immer der Erste beim Jubeln, beim Aufwärmen ganz vorne, kennt die Cheerleader und die Putzfrauen mit Vorname, ein wirklich netter Mensch. Er bot uns an, das Trainingszentrum mit Kabinen usw. zu besichtigen. Wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme und fuhren nach dem Sushi, das übrigens weltklasse war, zusammen zu den heiligen Hallen.

Der Star und seine Groupies (man vergleiche: oben und zweiter von links):


und hier isser in Action (ziemlich genau in der Mitte):


Das zweite Highlight des Wochenendes war das von Wyndle versprochene Essen. Es gab Hähnchen mit Sweet Potatoes, undefinierbarem Gemüse mit Speck und Nudeln irgendwie mit Käse oder so. War wirklich lecker. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, da die Bilder für sich sprechen:

Mitbewohner Nummer zwei und ich:


Mitbewohner Nummer zwei (ziemlich groß) und Neil (ziemlich klein):


Das Essen:


Ihr schmeckts:

und die Frauen machen den Abwasch:


So, das wars für heute. Superbowl-Party (ein Highlight) kommt beim nächsten Mal. Am Wochenende fahren wir nach Dallas zum NBA-Allstar-Game. Es gibt also nächste Woche einen American-Sports-Blog.
Bis dahin.
Mark aus Memphis

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