Einen wunderschönen guten Nachmittag,
hinter mir liegt eine Woche voller Besuche aus der Heimat. Zuerst kam Dirk Nowitzki, der, das muss ich zugeben, leider nicht mich persönlich besuchte und dann auch nicht ganz so kommunikativ war wie mein zweiter Besuch: Die Familie. Beginnen wir mit Dirk, oder wie er hier heißt: Döööörk. The German Wunderkind spielte mit seinen Dallas Mavericks gegen die Memphis Grizzlies - in Memphis, versteht sich. G und ich hatten uns frühzeitig Tickets für richtig gute Plätze gesichert - in unmittelbarer Nähe der Mavericks-Bank. Ich wegen Dirk; G wegen eines Franzosen, dessen Name ich vorher noch nie gehört hatte und auch schon wieder vergessen habe. G schrie zumindest während des gesamten Spiels etwas wie Rooooodrigue. Könnte sein Vorname sein. Wir hatten uns beide bestens vorbereitet. Ich trug mein Dallas-Nowitzki-Shirt, G streifte sich das frisch gekaufte Memphis-Gasol-Jersey über (macht keinen Sinn, er wollte ja seinen Franzosen sehen - und der spielt für Dallas, naja), einen Fahrer hatten wir rechtzeitig engagiert, das Wetter war bestens, es konnte losgehen.
Der Papa zeigt Flagge:
Auf dem Weg zum Stadion, bzw. zur Halle sang ich im Auto selbstausgdachte Nowitzki-Lieder. Das Gute ist, dass mich außer mir niemand verstand. Ich wollte einfach so tun, als wär ich ein Nowitzki-Allesfahrer, dies gelang mir ganz gut. G sagte nichts, außer: "Mark, I äm rieli excitäd." Ich war auch nervös und malte mir in Gedanken aus, wie Dirk während des Spiels auf mich zeigen, "der ist für dich, mein deutscher Bruder" sagen und anschließend einen Drei-Punkte-Wurf versenken würde. Ich saß ja nah genug dran, die Flagge hatte ich dabei, was sollte also schiefgehen, ich war guter Dinge.
Auf unseren Plätzen angekommen, begann ich direkt mit meinem Verbal-Feuerwerk. Diiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirk. Diiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirk. Noch hörte er mich nicht, oder wollte mich nicht hören. Das wollte ich aber auf jeden Fall in den nächsten knapp drei Stunden ändern. Nebenbei schoss ich Fotos von Dirk in und aus alles Lagen. Dirk auf dem Feld, Dirk auf der Bank, Dirk von hinten, Dirk von vorne, Dirk überall. G erklärte mir, wer sein Franzose sei, ich sah ihn, war mir aber egal. Das Spiel verlief anfangs nicht wirklich gut für Dallas und Nowitzki. Er traf auf dem Platz nichts außer alten Bekannten und fand sich zu meiner Freude erstaunlich oft auf der Bank wieder. Ich nutze jede sich bietende Möglichkeit, um meine kleine Flagge zu schwenken und Diiiiiiiiirk zu rufen. Während einer der ersten Auszeiten entdeckte mich tatsächlich einer der Spieler und grinste sich einen. Dieser eine Spieler, dessen Name ich nicht weiß, beobachtete mich fortan in jeder Auszeit und schien dabei reichlich Spaß zu haben. Es war offensichtlich das einzig Positive für ihn an diesem Abend - er durfte nämlich nie spielen. Neidisch war ich dennoch auf ihn, er saß nämlich neben Dirk auf der Bank. Naja, man kann eben nicht alles haben.
und so nah waren wir dran:
Dörk in Aktion:
Das Spiel stand während des gesamten Verlaufs auf des Messers Schneide und wir sahen sogar eine Overtime, in deren Ende Dirk die entscheidenden Körbe warf und Dallas somit den Sieg bescherte. G und ich waren mittlerweile berühmt geworden. Unser Rumgehampel hatte den positiven Nebeneffekt, dass sich einer der Kameramänner in uns verliebt zu haben schien und wir insgesamt dreimal auf dem großen Videowürfel in der Mitte der Halle zu sehen waren. Und dann haben wir es sogar auch noch geschafft, uns selbst zu fotografieren. Ein Wahnsinn.
G is "proud to be a grizz":
G und ich hofften während des kompletten Spielzeit, dass wir irgendwie in Kontakt mit Dirk und Roooodrigue kommen würden. In der Halbzeit war dann Gs Franzose wirklich für ein paar Augenblicke alleine auf der Bank, direkt vor uns. "Los G", sagte ich "Jetzt oder nie". "Oooh, i feel se preschör", war Gs Antwort und dann war es auch schon zu spät. Wir setzten alles auf Spielende, wurden allerdings bitter enttäuscht, weil das komplette Team direkt nach Schlusspfiff in die Kabine rannte. G und ich steckten unsere schon gezückten Kulis und unser Autogrammbuch wieder ein und verließen unverrichteter Dinge die Arena. Glücklich waren wir trotzdem. "I'm still excitäd" sagte G noch eine Stunde nach Spielende.
und das ist das am Ende heißere Duo:
Nur einen Tag und wenige Stunden später kam es zum nächsten Deutsch-Deutschen-Aufeinandertreffen. Meine Familie rollte an, bzw. kam mit dem Flugzeug aus New York. Treevee und Silvia begleiteten mich zum Flughafen, ich brachte ihnen ein paar deutsche Sätze bei, die sie zur Begrüßung zum Besten geben konnten. Silvia traute sich dann aber letztendlich nicht, Treevee gab ihr Bestes und Mama Weide hatte zum ersten Mal Tränen in den Augen. Am ersten Abend stand direkt amerikanische Kultur im Reinformat auf dem Plan: Wir gingen - zusammen mit dem Rest der International Family - Sushi essen. Man beschnupperte sich, die ersten groben Brocken Englisch flogen über den Tisch, man bemühte sich, Familie Weidenfeller lernte mit Stäbchen essen und Wasabi kennen. Welcome to America.
Wie mit Messer und Gabel, nur komplett anders:
Mama Weide war jedenfalls glücklich, dass ich nicht alleine durch das große Amerika laufen muss oder in meinem Zimmer vor mich hin vegetiere. '"Du hast sooo nette Freunde, Mark", sagte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit und wurde auch nicht müde darin, jeden auf ihre eigene Art zu herzigen. In den darauffolgenden Tagen bemühte ich mich als Reiseführer und zeigte den Campus, Downtown, wir besuchten ein NBA-Spiel (das Standard-Programm), gingen natürlich ausreichend shoppen, aßen Burger und Chicken Wings. Man erfreute sich am Wetter und der Herzlichkeit meiner International Family. "Deine Freunde sind soooo nett, Mark". "Ja, Mum..." Auch meine Mitbewohner (inklusive J-1 natürlich) wurden schnell ins Herz geschlossen und nach Deutschland eingeladen. "Komm doch einfach alle mal vorbei." Die Tatsache, dass man tatsächlich in Amerika angekommen war, schien ab und zu etwas Verwirrendes und Unwirkliches zu haben. "Mark, es sieht nach Gewitter aus - haben die hier sowas?" ist mein absolutes Lieblingszitat, das ich jetzt einfach mal unkommentiert stehen lasse. Sina und J-1 verstanden sich auf Anhieb bestens und spielten gegeneinander das bekannte Ghetto-Game "Curb-Ball", bei dem es darum geht, einen Ball so auf den gegenüberliegenden Bordstein zu werfen, dass er zurückkommt. Klingt einfach, ist aber Ghetto. Sina verlor knapp mit 80:100, was sie zu einem gemeinsamen Foto mit dem mittlerweile deutschlandweit bekannten J-1 berechtigte:
Sieger und Verlierer vereint:
An Ostersonntag versammelte man sich zum gemeinsamen Picknick im Park bei gefühlten 35 Grad mit Obst, Salat und warmer Cola. Es wurden, wie immer, zahlreiche Fotos geschossen, jeder holte sich seinen Sonnenbrand ab, Papa Weide verteilte echte Lachgummis aus Germany und am Ende verabschiedeten sich die beiden Familys voneinander. Mama Weide hatte, natürlich, Tränen in den Augen. "Du hast sooo nette Freunde, Mark."
The Dudes:
und hier noch mal die (fast komplette) Baggasch auf einen Haufen:
Die Besuchstage und damit meine Familie waren letztendlich schneller wieder vorbei bzw. weg, als sie gekommen waren. Keiner hatte sich ernsthaft verletzt, man erkannte sich ohne Probleme wieder und sprach auch noch dieselbe Sprache. All dies stimmt mich zuversichtlich, in zwei Monaten tatsächlich wieder zurückzukommen. Vermutlich erstmal ohne meine ganzen netten Freunde.
Das war es für dieses Mal. Bis denndann, oder wie Mama Weide zu sagen pflegte: Thank you for All!







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