Mittwoch, 24. März 2010

Nur noch fünf Minuten

Guten Abend allerseits,
nach nicht mal mehr einer der Woche kommt bereits der nächste Eintrag. Ein Wahnsinn. Meine Mitbewohner habe ich ja schon einige Male erwähnt, seit Spring Break ist ein weiterer hinzugekommen. Er heißt Chris, ist bereits 36 und ein eher ruhiger Zeitgenosse. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass die mich mit Absicht hier in die Bude gesteckt haben. Hier leben die ganzen Erwachsenen - da pass ich bestens hin. :) Was ich bislang verschwiegen, bzw. nicht ausreichend erwähnt habe, ist unser fünfter "Mitbewohner". Sein Name: J-1 (sprich: Jay One), eigentlich Juan. Wyndle nennt ihn seinen Bruder, was allerdings nichts Besonderes ist, da er auch mich seinen Bruder, hier: "Bro", nennt. J-1 ist ein lustiger Mensch. Das erste Mal habe ich ihn an meinen dritten Morgen hier gesehen. Ich bin morgens leicht verschlafen ins Wohnzimmer marschiert, da lag er auf der Couch und schlief. Er hob kurz seinen Kopf, sagte etwas, das ich nicht verstand - und schlief weiter. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich J-1 morgens schlafend im Wohnzimmer antreffe. Niemand weiß genau, was J-1 eigentlich macht. Er sagt, dass seine Freundin hier in der Nähe wohnt, gesehen hat sie noch niemand, er geht gerne in die Bibliothek und gibt vor, zu studieren. Wenn man ihn fragt, was er studiert, muss er plötzlich weg. J-1 nennt mich liebevoll MarkyMarky und schreit das auch schon mal ganz gerne quer über den Campus. MaaaarkyMaaaaarky. Ich nenne ihn liebevoll - wie alle anderen - J-1, manchmal auch J-1-1. J-1 sagt, dass wir beste Freunde sind und er mich in Deutschland besucht. J-1 weiß allerdings nicht, wo Deutschland ist. J-1 glaubt, dass England in Paris liegt. Die Tatsache, dass man Menschen, die in Italien wohnen, Italiener nennt, war ihm neu. Er sagt, dass er gerne reist. Wenn man ihn fragt, wohin er schon gereist ist, sagt er: Chicago und Nashville. Das liegt hier quasi (für amerikanische Verhältnisse) umme Ecke. J-1 ist immer gut gelaunt, mittlerweile lacht er sich kaputt, wenn ich morgens ins Wohnzimmer komme und ihn wecke. Dies läuft meistens gleich ab: Ich öffne die Tür und sage zu ihm, dass er der faulste Mensch der Welt sei, woraufhin er mich nach der Uhrzeit fragt. Dann erzählt er mir, dass er schon wieder seine Klasse verpasst habe, "jaja" antworte ich immer und gehe zur Uni, während er wieder einschläft. So geht das Morgen für Morgen, Tag für Tag. Mittlerweile mache ich mir schon Sorgen, wenn er mal nicht auf unserer Couch schläft.

So sieht J-1 übrigens aus:




J-1 hat seit ein paar Tagen ein facebook-Profil und immerhin schon drei Freunde. Gestern hat er mir das erste Mal eine Nachricht geschrieben und mich abends gefragt, ob ich denn seine Nachricht bekommen habe. "Ja", sagte ich, "super". Die Nachricht war: "whaaaaaaaaaaaaaattzuuuuuup?" Danke fürs Gespräch. J-1 und ich reden gerne über den Unterschied zwischen Black&White. Er sagt, dass er alle Menschen möge und keine Vorurteile habe - genau wie ich. Der Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen bestehe nur darin, dass Weiße nicht tanzen können und Schwarzen die größeren Pimbomänner haben. Ich weiß nicht, ob er recht hat. Er wollte es mir beweisen, ich habe abgelehnt.
Eines meiner neusten Hobbies ist es, J-1 beim Schlafen zu fotofrafieren. Und dies ist meine (vorläufige) Ausbeute:

Die eingesprungene, doppelbeinige Sesselgrätsche bei Tageslicht:


Relaxen auf dem Autositz inklusive Kontrollgriff - Revolver startklar:


Oder auch mal mit roter Decke, Kappe in bester "Schwiegertochter gesucht"- Manier auf der Couchlehne trapiert, Schuhe ausgezogen:



Modell Bauchplatscher:



Es gibt zwei Dinge, mit denen ich J-1 extreeeem beeindrucken kann. Nummer eins: Bierflasche mit einem Feuerzeug öffnen. Er nennt es: "the ghettoway" Er wollte, dass ich es ihm beibringe. "teach me the ghettoway, MarkyMarky. " Ich habe es versucht - geht nicht. Nummer zwei: Rauchen und dabei Ringe machen. Er nennt es: "yeaaaaah, the ghettoway" Er wollte, dass ich es ihm beibringe. "teach me the ghettoway, MarkyMarky. " Ich habe es versucht - geht nicht. Letztes Wochenende haben J-1 und ich die Rollen, bzw, die Kleidung getauscht. Das sah so aus:

Er sollte gucken wie am ersten Schultag - hat er ganz gut geschafft:


Kommen wir zu anderen Dingen des Lebens, nämlich dem Alltag. Ein Thema liegt mir dabei ganz besonders am Herzen, über das ich schon die ganze Zeit berichten wollte. Nämlich: Mark und der Laundryroom - auf deutsch: Der Papa und die Waschküche. Zwei Wochen nach meiner Ankunft war es das erste Mal soweit. Die Unnerbuxen neigte sich dem Ende entgegen, Falschherum anziehen half auch nichts mehr, es war klar: Ich würde das erste Mal in meinem Leben eine Waschmaschine befüllen, starten und ausräumen müssen. Ich war nervös wie Hase vor Schlange. Dunkel zu dunkel, hell zu hell - soviel wusste ich. Aber wohin beispielsweise mit einem dunkelblau-weiß-gestreiften T-Shirt? Das ist ja sowohl dunkel als auch hell. Auf eine solche Situation war ich nicht vorbereitet worden. Und ab wann genau fängt dunkel an und wo hört hell auf. Ist rot schon dunkel? Gibt es eine sogenannte Grauzone, in der man frei entscheiden und dann beten kann. Wer weiß das schon...ich jedenfalls nicht. Und was kann in den Trockner, ohne dass es eingeht wie Marshmallows auf dem Grill. Ich besorgte mir professionelle, weibliche Hilfe, ich startete die Maschine, wartete 30 Minuten und tadaaaa, alles war sauber. Ich war stolz wie Oskar und wasche seitdem alleine - nichts ist eingegangen, einige dunkle Sachen haben manchmal komische helle Flecken, die man aber nach einiger Zeit nicht mehr sieht. Es läuft.

Das ist wie ein Stürmer im eigenen Strafraum - der hat da nix verloren:


So, und eine Sache noch. Ich war heute in der Uni, genauer: einer Vorlesung. In der Vorlesung ging es um Gruppenkommunikation und einheitliches, zielgerichtetes Denken innerhalb einer Gruppe. Wir sollten Beispiele bringen - hier in Amerika ist alles ein bisschen mehr auf Meinungen angelegt. "Was haltet ihr davon?" und "bringt doch mal Beispiele". Wir mussten Gruppen bilden und werden ständig aufgerufen. Unsere Gruppe besteht aus Andi, mir, einem Ami dessen Name ich nicht weiß, und Victoria. Victoria teilt uns gerne ihre Meinung mit, darüber sind wir froh, sie darf sich dann melden. Das aber nur am Rande.
Also, zurück zu heute...es ging um Beispiele für Gruppendenken. Was kommt einem Amerikaner als Erstes in denn Sinn? Richtig: die Nazis.  Jetzt kann man sich als Prof überlegen, wie man die Nazis als Bild in einer Powerpoint-Präsentation optisch vermittelt. Unsere Professorin hat sich für die, sagen wir, massive Variante entschieden. Ich hoffe, dass ich das Bild so veröffentlichen darf, naja...es ist nicht so, wie es aussieht, aber es sieht definitiv nicht nach Vorlesung aus. Ich hab erst geguckt wie ein Auto, dann gelacht und dann schnell ein Foto gemacht, ich Fuchs.

Muss ich jetzt schreiben, dass ich das nur wegen des Fotos veröffentliche und das nichts mit meiner politischen Weltanschauung zu tun hat? Ich weiß es nicht, ich bin ein bisschen nervös...aber trotzdem, hier ist das Foto:



Wenn ich gegen ein Gesetz verstoßen habe, lasst es mich wissen. :)
In diesem Sinne, hoffentlich bis demnächst.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen