Ich bin nun seit etwas mehr als zwei Wochen in Memphis und habe mich nach längeren Überlegungen nun doch dazu entschieden, einen Blog zu verfassen (das machen hier irgendwie alle - ist anscheinend mega in Mode), vermutlich wird niemand - außer Mama Weide - wirklich alles lesen, aber wenn ich einmal alt und dick bin, kann ich mich zurückerinnern. Ach, irgendwie schön.
Nun gut, fangen wir an...
Nachdem die letzten Partys in Mainz gefeiert, die große Abschiedstournee beendet und mein Zimmer letztlich tatsächlich ausgeräumt war, ging es also los: Der 12. Januar war gekommen und der kleine Mark aus dem kleinen Mainz machte sich auf in die große weite Welt in Richtung USA. Ich hatte ein durchaus mulmiges Gefühl, war aber insgesamt voller Vorfreude.
Der Flug verlief reibungslos, ich erreichte die richtigen Flieger, verlor nur einmal die Orientierung und bekam sogar meinen ersten RICHTIGEN AMERIKANISCHEN Burger zwischen die Zähne. Und zwar: Einen Double Cheeseburger von McDonald's auf dem Flughafen in Chicago. Das nur für die Statistik.

Auf dem Flug von Chicago nach Memphis hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, mein holpriges Schulenglisch auszuprobieren, da ich einfach meiner Banknachbarin erzählte, dass ich ein Auslandssemester in Memphis mache, total aufgeregt bin und sie das doch sicher interessiere. Sie interessierte sich tatsächlich, wir wurden beste Freunde (zumindest für eine Stunde), sie lobte mein Englisch und fragte dann zum Abschluss, wie oft ich denn eigentlich in Frankfurt (ich sage immer Frankfurt, wenn ich nach meiner Heimatstadt gefragt werde, irgendwie repräsentativer als Mainz) Ski fahre. "Jooah", sagte ich, "da wirfste vielleicht noch mal einen Blick in den Diercke Weltatlas und dann reden wir weiter". Ok, das hab ich natürlich nicht gesagt, wäre aber eine durchaus nette Antwort gewesen. Ich erklärte ihr es, dann half sie mir meine Abholerinnen zu finden und unsere kurze Beziehung nahm ein schnelles Ende.
Die Abholerinnen...ich wurde tatsächlich am Flughafen von Steffanie und Mallory abgeholt und Richtung Campus kutschiert. Dort bekam ich mein Zimmer zugeteilt in einer Art Studentensiedlung. Mehrere Bungalows mit 4-er Appartments, alles durchaus nett. Meine Mitbewohner zu Beginn (einer hat mittlerweile das Weite gesucht) hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der eine: Wyndo, 37, Afroamerikaner (ich hoffe, das ist politisch korrekt), sehr nett, schräger Vogel, trinkt gerne viel Bier, spielt nachts betrunken Gitarre und singt lauthals dazu. Ich nenne ihn auch: Den Stephan Werner aus Tennessee. Der andere: Japaner, leicht dick, kann oder will nicht reden, sitzt immer im Zimmer, spielt gerne Brettspiele. Wyndo habe ich im Domino (anscheinend DAS Spiel) besiegt. Seitdem sind wir Freunde. "If you are in trouble maaaan, call me!" Alles klar, mach ich, maaan.
MY HOUSE:
In den ersten Tagen stand das große Kennenlern-Prozedere auf dem Programm. "Hello, I'm Mark - nice to meet you. I'm from Germany, where are you from?" Immer Dasselbe, immer dieselben Fragen, Gesicht speichern, Name vergessen, Freundschaftseinladung bei facebook erhalten. So läuft das hier. Welcome to America! Es sind dieses Jahr insgesamt 17 (glaube ich) International Students in Memphis. Eine große Gruppe aus Frankreich, ein Däne, eine Japanerin, drei Engländerinnen, eine Italienerin und one German Guy, Mr. Weidenfeller. Zusätzlich sind noch ein paar hier, die zwei Semester studieren. Unter anderem Romina aus Deutschland und Neil - der kleine Hobbit - from Scotland. Besonders mit Andi aus Dänemark und Neil aus Schottland verstehe ich mich super. Wir werden bereits als das "gay triangle" bezeichnet, weil wir so gut wie alles zusammen machen. Außerdem zu erwähnen ist Guillaume aus Frankreich. Da keiner seinen Namen aussprechen kann, wird er einfach nur G genannt. G ist noch keine 21 und darf deshalb nicht mit, wenn die Erwachsenen am Wochenende einen heben. Das nervt G. G ist deswegen manchmal schlecht gelaunt.
Ich habe auch schon amerikanische Freunde, hört hört. Vor allem Thuyvi Vo (sprich Treewee) ist der Knaller. Immer nett, immer am lachen, zeigt uns alles, stellt uns ihren Freund(innen) vor. Ein Traum. Darüber hinaus gibt es einen German Club, dessen Mitgleider komischerweise - glaub ich - alle weiblich sind, irgendeine Verbindung zu Deutschen haben und diese gerne umsorgen. Na gut, wenns denn sein muss. :)
Treewee und ich:
Das Leben in Amerika ist immer noch ein bisschen wie im Film. Alles eine Nummer größer, es gibt keine Mensa, sondern nur eine Art Mall mit Subway, Pasta-Station, Asia-Food und dem ganzen gesunden Kram, bald ist Eröffnung von Burger King und Dunkin Donuts auf dem Campus. Mahlzeit! Besonders witzig ist, dass NIEMAND läuft. Das Lied "Walking in Memphis" muss jemand geschrieben haben, der noch nie in Memphis war. Die Amis fahren wirklich überall hin. Und wenns zum Nachbar auf die andere Straßenseite ist. Wahnsinn. Positiv zu erwähnen ist das Gym auf dem Campus. Ein riesiges Fitnessstudio mit Basketball-Plätzen, Squash-Courts, Schwimmbecken, Tischtennisplatten, Tennisplätzen, alles umsonst. Hier werde ich mich den Fast-Food-Pfunden stellen und sie besiegen. Wir schreiben heute Tag 15 und ich war schon sechsmal da. Aha! G und ich haben unseren eigenen kleinen Wettkampf. Bis jetzt zweimal Tischtennis, einmal Tennis, er hat immer gewonnen, der blöde Froschfresser. Aber ich werde ihn noch schlagen. :)
Apropos Sport...Wenn man schon mal in Amerika ist, muss man sich natürlich auch mit dem bislang unbeliebten American Sport beschäftigen. Besonders angesagt in Memphis sind die Tigers - das Team der Uni. Das Basketballteam spielt in derselben Halle wie das NBA-Team, die Grizzlies, hat aber vieeeeel mehr Zuschauer. Die Stimmung ist der Wahnsinn (natürlich nicht vergleichbar mit der Frankfurter Westkurve) und es macht mega Spaß zu den Spielen zu gehen, die im übrigen für die Studenten kostenfrei sind. We are Tigers!
Andi, me and Neil the Hobbit (Grizzlies vs. Spurs):
Ein besonders einschneidendes Erlebnis bislang war der Besuch eines Gospel-Chors. Grund dafür war nicht der Gospel-Chor an sich, sondern der Weg zu Kirche. Dazu muss ich eines vorneweg sagen: Uns wurden drei Dinge eingetrichtert: 1. Lauft nachts nicht alleine durch die Gegend 2. Lauft nirgendwo hin, wo ihr euch nicht auskennt 3. Steigt nicht zu Fremden ins Auto. Nun gut, Regel zwei ignorierten wir kurzerhand und begaben uns zu Fuß, geführt von googlemaps, auf dem Weg zur besagten Kirche. Wir, das waren die komplette Herde der International Students, liefen also in die Abenddämmerung hinein, vorbei an vielen Häusern. Die Bewohner der Häuser liefen in Scharen an die Fenster, um uns zu beobachten. Nach dem Motto: "Was machen diese Menschen? Warum laufen die - und warum so viele? Und wohin in Gottes Namen?" Wir ließen uns nicht entmutigen und trotteten weiter tapfer an der stark befahren Hauptstraße entlang. Nach etwa dreißig Minuten dann der Befehl von führer Neil: "Turn right". Gesagt, getan. Plötzlich wurde es dunkel. In dreierlei Hinsicht: Die Sonne war weg, Laternen gab es nicht mehr und die Hautfarbe der Menschen in den Häusern hatte sich auch geändert. Ich lief auch nicht mehr alleine, sondern hatte plötzlich eine kleine zitternde Italienerin am Arm hängen ("Ise thise a ghettoee?"). Well, sieht fast so aus, wa? Ich hatte das Gefühl von überall gemustert zu werden. So ein bisschen wie ein Zebra vor ner hungrigen Löwenherde. Ich begab mich kurzerhand an den Kopf der Gruppe, Silvia schüttelte ich ab - Survival of the fittest war das Stichwort - um Kriegsrat mit Neil und Andi zu halten. Wir mussten weiterlaufen, es gab kein Zurück mehr. Von allen Seiten kreuzten übel aussehende Gestalten unseren Weg, einer von ihnen hämmert dabei ständig mit einer Keule und auf den Boden, einige riefen "are youuuu scared". Ja, verdammt, ich war scared. und wie. In meinem Kopf malte ich mir aus, was ich tun würde bei Angriff. Zuerst: Die Franzosen opfern, dann: wegrennen. haha, guter Plan. Nach 15 endlosen Minuten erreichten wir dann unversehrt die Kirche. Ich dankte Gott und genoss das erste Mal in meinem Leben einen Gottesdienst.
Nach dem Gottesdienst wurden wir vom Priester (oder sowas in der Richtung) angesprochen, ob wir die neuen International Students seien, wie wir hierher gekommen seien, dass wir auf dem Weg zurück bitte nicht durch das Ghetto fahren sollten...FAHREN? Wir waren gelaufen. Er schaute uns mit großen Augen an, organisierte kurzerhand sechs Fahrer und ließ uns nach Hause kutschieren. Regel 3 "steigt nicht zu Fremden ins Auto" ignorierten wir natürlich. Ich stieg mit Andi in ein Auto, so fühlten wir uns sicher und kamen letztendlich auch wohlbehalten zu Hause an.
Unsere Lebensretter:
Also, alles in allem muss ich sagen, dass es mir hier bestens gefällt, ich viele nette Menschen getroffen habe, glücklicherweise noch am Leben bin und mich auf die nächsten Wochen und Monate freue. Ich hoffe, demnächste regelmäßiger berichten zu können. Auch, wenns keinen interessiert. Ich hör mich ja ganz gerne selbst reden, bzw. schreiben. Von daher...kein Thema.
In den nächsten Wochen erfahrt ihr mehr über:
Die Uni (ich bin hier fast nur am Malochen)
Downtown - Beale Street
BeerPong
and many more.
Mark


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